Smartphone im Unterricht: Kein generelles Handy-Verbot an rheinland-pfälzischen Schulen

Smartphone im Unterricht : Kein generelles Handy-Verbot an rheinland-pfälzischen Schulen

Ob und wie Schüler ihr Smartphone nutzen dürfen, ist  unterschiedlich geregelt. Das Land, Eltern und Lehrer wollen, dass digitale Medien verstärkt im Unterricht eingesetzt werden.

Wenn am Montag für über 400 000 Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz die Schule wieder beginnt, wird ein Großteil von ihnen ihr Smartphone dabei haben. Weil sie auf dem Weg zur Schule Musik hören. Weil sie vielleicht ihren Freunden Fotos von ihren Ferienerlebnissen zeigen wollen. Oder einfach, weil Smartphones heute für die allermeisten Jugendlichen zum Alltag dazugehören.

Allerdings ist die Nutzung der Geräte in vielen Schulen mittlerweile stark reglementiert. Wie zum Beispiel am Trierer Max-Planck-Gymnasium, wo Handys auf dem Schulgelände nur in der Mittagspause genutzt werden dürfen. Im Wittlicher Cusanus-Gymnasium dürfen Schüler erst ab der zehnten Klasse ihr eigenes Handy in Pausen und Freistunden nutzen, die Jüngeren müssen die Geräte ausgeschaltet lassen, ansonsten droht ihnen, dass sie das Gerät abgeben müssen und erst am nächsten Tag wiederbekommen. Eine einheitliche Regelung zur Handy-Nutzung gibt es an rheinland-pfälzischen Schulen nicht. Es wird aber auch kein generelles Handy-Verbot, wie es seit Mittwoch in Frankreich gilt, geben. Der französische Weg gehe ihr zu weit und an der digitalen Wirklichkeit der Kinder und Jugendlichen vorbei, sagt Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Statt „von oben herab“ ein Verbot zu erlassen, setze sie auf die Entscheidung in den Schulen. Hubig plädiert wie auch Landeselternsprecher Torsten Ralle für einen „verantwortungsvollen und bewussten Umgang mit neuen Medien in den Schulen“, statt diese zu verbannen. Den Schülern müsse beigebracht werden, wie sie Handy und Tablet sicher benutzen und auch im Unterricht einsetzen könnten, sagt Ralle. Die Landesschülervertretung setzt sich schon seit längerem dafür ein, Mobiltelefone an Schulen zuzulassen.

„Wir müssen Kindern und Jugendlichen beibringen, bedacht mit den Medien umzugehen, die sie im Leben und später im Beruf nutzen. Ein Verbot hilft da nichts“, sagt auch Klaus-Peter Hammer, Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die Handy-Nutzung werde allerdings dann zu einem Problem, wenn Schüler im Unterricht lieber Filme streamten oder Videos drehten. Es habe im Land Fälle gegeben, in denen solche Clips später auf Facebook Lehrer oder Schüler verunglimpft und gemobbt hätten. Dann seien Grenzen überschritten, findet Hammer. In vielen Schulen müssen die Schüler bei Klassenarbeiten oder Prüfungen mittlerweile nicht nur ihre Handys vorher abgeben, sondern auch Smartwatches, also elektronische Uhren, auf die unter anderem auch Inhalte von Smartphones gesendet werden können. An einer Schule in Trier-Saarburg soll während einer Latein-Arbeit eine Schülerin auf die Toilette gegangen sein, dort soll ein Freund von ihr gewartet haben, dem sie die Aufgaben genannt hat. Dieser soll dann die Lösungen im Internet gesucht und ihr die Lösungen geschickt haben, die sie auf ihrer Uhr sehen konnte.

Im Raum Trier geht der Unterricht am Montag für 53 000 Schüler wieder los. Dann starten im Raum Trier auch 4412 Abc-Schützen ihre Schullaufbahn. Ministerin Hubig zeigte sich gestern froh, bis auf 20 Posten in Förderschulen alle Planstellen für Lehrer besetzt zu haben. Offensiv verteidigte sich die Ministerin gegen Kritik an der Zwergschulen-Reform. Vor Gericht erlitt das Land eine herbe Schlappe.

Mehr von Volksfreund