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Kein Jackpot für Politiker

Kein Jackpot für Politiker

KOBLENZ. Lotto Rheinland-Pfalz schenkte den Fraktionen im Landtag Gratis-Spielscheine. Mögliche Gewinne sollten die Politiker spenden.

"Bitte heben Sie den Lottoschein gut auf, dann wissen Sie genau, was Sie neben den 50 Euro noch gewonnen haben." Lotto-Chef Hans-Peter Schössler meinte es nur gut mit den Empfängern der ausgefüllten Gratis-Gewinnscheine aus der Sonderaktion "Lotto-SuperDing". "Da die Ziehung erst vier Wochen später war, wollte ich sie lediglich an den möglichen Gewinn erinnern", begründet der 58-jährige Geschäftsführer der rheinland-pfälzischen Lottogesellschaft sein persönliches Anschreiben zu den Gratis-Scheinen. Der garantierte Gewinn von 50 Euro konnte an jeder Lottoannahmestelle in Rheinland-Pfalz eingelöst werden. Schössler schickte die Briefe samt ausgefüllten Lotto-Scheinen nicht nur zwei Mal an die vier Landtagsfraktionen sondern auch an - wie er sagt - "caritative und soziale Organisationen, die mit den möglichen Gewinnen Gutes tun können". Das erwartete Schössler, der seit 1997 Chef von Lotto-Rheinland-Pfalz ist, offenbar auch von den Politikern. "Ich gehe davon aus, wenn jemand etwas gewonnen hätte, dass er das auch spendet." Und zwar möglichst an eine von Lotto-Rheinland-Pfalz unterstützte Initiative aus den Bereichen Sport, Wohlfahrt, Denkmalpflege, Naturschutz oder Musikvereine. Eine Fraktion habe das auch getan, sagt Schössler. Ihren Gewinn von 96 Euro habe sie ohne Abzug gespendet. Das hätte die CDU-Fraktion auch getan, hätte sie denn was gewonnen, versicherte ein Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. "Den Jackpot haben wir jedenfalls nicht geknackt", sagte er. Von den Fraktionen von SPD, FDP und Grünen gab es trotz Anfrage keine Stellungnahme. Schössler jedenfalls hat seine Lehren gezogen. Den Landtagsfraktionen werde er keine Gratis-Lottoscheine mehr schicken. Das allerdings nicht wegen möglicher Bestechungsvorwürfe ("Die Aktion ist fernab jeglicher Versuche, Politiker zu korrumpieren."), sondern weil er unterschätzt habe, dass überhaupt jemand daran Anstoß nehmen könnte. Dabei hätte er gewarnt sein müssen. Als auch die Frau von Ministerpräsident Kurt Beck vor zwei Jahren von Schössler einen Gratis-Schein bekommen hatte, habe sie ihn zurückgeschickt, damit ihr Mann nicht in irgendeinen Verdacht geraten könne, sagt der Lotto-Chef. Doch ganz ausschließen, dass Politiker auch weiterhin mit potenziellen Millionen-Gewinnen beschenkt werden, will Schössler nicht. Es sei durchaus üblich, dass zu bestimmten Anlässen - wie etwa dem 50-jährigen Bestehen von Lotto-Rheinland-Pfalz - solche Scheine verteilt würden. "Da lagen für alle 200 geladenen Gäste ausgefüllte Scheine auf den Tischen. Ich kann nicht ausschließen, dass auch Politiker welche genommen haben", sagt Schössler. Lotto-Rheinland-Pfalz gehört den Sportbünden Rheinland, Pfalz und Rheinhessen. Die Aufsicht liegt beim Mainzer Finanzministerium.