Keine Ausreden mehr

190 Staaten verhandeln in Bali beim Welt-Klima-Gipfel über Maßnahmen zum Klimaschutz. Die Bitburger Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken (Grüne), die in Bali ist, ist zuversichtlich, dass der Gipfel erfolgreich sein wird. Der TV sprach mit Höfken.

Trier/Bali. Die Verhandlungen beim Weltklimagipfel in Bali sind in die entscheidende Phase getreten. Vertreter aus 190 Staaten wollen bis Freitag die Weichen für verbindliche Klima-Vereinbarungen stellen. Über die Chancen dafür sprach unser Redakteur Bernd Wientjes mit der Bitburger Grünen-Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken, die in Bali ist. Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Bali geflogen? Höfken: Wir brauchen endlich verbindliche Ziele zur Verminderung der Emissionen. Ein schwieriges Ziel. Auf der einen Seite stehen die USA, als weltgrößter Produzent von klimaschädlichem Kohlendioxid, und auf der anderen Seite die Entwicklungsländer, die sich nicht bewegen, solange die Industrieländer sich nicht einigen. Klingt aber nicht gerade nach Kompromissbereitschaft. Höfken: Es gibt Grund zur Zuversicht. Keiner der Politiker will am Ende nur mit Absichtserklärungen nach Hause gehen. Dafür steht dieser Klimagipfel unter einer viel zu strengen Beobachtung durch die Öffentlichkeit,. Der Verhandlungsdruck ist enorm. Was kann denn die Konferenz von Bali überhaupt erreichen? Höfken: Falls der Gipfel ohne verbindliche Ziele endet, wäre das ein törichter Fehler. Am Ende der Woche werden wir zwar kein Gesamtkonzept zum Klimaschutz haben, aber wichtige Eckdaten. Das heißt konkret? Höfken: Das, was hier beschlossen wird, muss auch konkret umgesetzt werden. Und zwar in Trier, Bitburg und überall in den Kommunen. Da gibt es dann keine Ausreden mehr. Man kann nicht Klimaschutz oben beschließen und vor Ort so tun, als betreffe es einen nicht. Welche Hausaufgaben in Sachen Klimaschutz muss Deutschland noch lösen? Höfken: Wir sind meilenweit von einem effektiven Klimaschutz entfernt. Windkraft wird bekämpft, Solarenergie setzt sich nur langsam durch, Gebäude werden nicht gedämmt, ein Tempolimit auf Autobahnen wird nicht eingeführt. So erreichen wir nie die Klimaschutzziele. Frau Höfken, hätten Sie sich vor 20 Jahren eigentlich gedacht, dass Umwelt- und Klimapolitik plötzlich zum Thema Nummer eins der Politik wird? Höfken: Nein. Aber es ist auch nicht immer gut, Recht zu haben. Immerhin haben wir Grünen ja immer schon auf die Klimakatastrophe hingewiesen. Und ohne uns wäre die Ernsthaftigkeit nicht so schnell erkannt worden.