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Keine Baustelle für Abrissbagger

Keine Baustelle für Abrissbagger

MAINZ. Dreißig Prozent weniger Personal und gleichzeitig effizientere Arbeitsabläufe, so lauteten die Vorgaben an das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung. Nach neun Jahren meldet Präsident Werner Keggenhoff Vollzug. Das Amt ist wesentlich stärker geschrumpft als seine Aufgaben.

Die Serie "Baustelle Bürokratie" im Trierischen Volksfreund hat Werner Keggenhoff vor Wochen mit großem Interesse verfolgt. Doch Bürokratie-Abbau werde nicht nur gefordert, er finde auch statt, betont Keggenhoff im Gespräch mit dem TV. Umbau statt Abrissbagger - so hieß für die Landesbehörde die Devise, als sie 1996 neu zugeschnitten wurde und sich in zehn Jahren deutlich "verschlanken" sollte: Landesversorgungsamt, Landesamt für Jugend und Soziales, Oberversicherungsamt und Hauptfürsorgestelle kamen unter ein neues Dach. Inzwischen sind 285 der einst knapp 1000 Stellen abgebaut. Weil neue Aufgaben dazukamen, gab es gleichzeitig 65 zusätzliche Arbeitsplätze. Noch 60 Jahre nach dem Kriegsende sind rund 30 000 Kriegsopfer und Hinterbliebene einer der Schwerpunkte der Verwaltungsarbeit. 102 Jahre ist der älteste "Versorgungsfall", 34 Jahre der jüngste, weil auch die Opfer von Kriegshinterlassenschaften wie Munition unter das Versorgungsgesetz fallen. Von der Wiege bis zur Bahre, von A wie Adoptionsvermittlung bis Z wie zahnärztliche Zulassung reichten die Aufgaben des Amtes, sagt der Präsident. Mit der Reform der Mittelinstanz und dem Ende der traditionellen Bezirksregierung kamen unter anderem die Aufsicht über Seniorenheime und Kindertagesstätten, Arbeitsmarktprogramme, die Fachaufsicht über die Gesundheitsämter und der Prüfdienst für die Krankenkassen hinzu. Vier Ämter für soziale Angelegenheiten bilden in Trier, Koblenz, Mainz und Landau regionale Anlaufstellen. Verwaltung dürfe durch Reformen nicht teurer, aber auch nicht schlechter werden, sagt Keggenhoff, der ein Haushaltsvolumen von 1,7 Milliarden Euro verwaltet. Zentrale Aufgaben und Abwicklung im Landesamt, das Massengeschäft auf Ortsebene, heißt die Vorgabe. 2004 waren rund 84 000 neue Anträge auf Feststellung einer Schwerbehinderung zu bearbeiten. Wie schnell das Landesamt durch die Reformen bei der Fallbearbeitung geworden ist, wird sich allerdings erst im Laufe des Jahres zeigen, wenn eine umfassende Kosten- und Leistungsrechnung eingeführt wird. "Wir brauchen keinen Vergleich zu scheuen", ist Keggenhoff sicher. In anderen Bundesländern nehme der Neid der Kollegen zu, weiß er von gemeinsamen Tagungen. Innere Strukturen wurden im Landesamt geändert, Dienstwege verkürzt. Wer die Arbeit schafft, verantwortet sie jetzt auch selbst. Eines von Keggenhoffs wichtigsten Prinzipien bei der Verwaltungsreform ist die Einbindung der Mitarbeiter. Das Landesamt sei mit der Vorgabe, die Arbeit zu den Leuten zu bringen und nicht den umgekehrten Weg zu gehen, "gut gefahren". Auch, wenn dann ein Verwendungsnachweis in Landau geprüft wird statt in der Mainzer Zentrale. Doch nach dem Erreichen des Klassenziels ist für Keggenhoff die Effizienzsteigerung noch nicht am Ende. Kooperationen mit dem Saarland im Jugendbereich sind denkbar. Mit Hessen gibt es bereits eine gemeinsame zentrale Adoptionsstelle, die 2004 rund 360 Vermittlungsfälle bearbeitete. Auch bei der Kriegsopferversorgung könnte angesichts rückläufiger Zahlen über verstärkte Zusammenarbeit nachgedacht werden, so schwebt dem Amtsleiter vor. Er sieht sich als Motivator seiner Mannschaft. Gibt es neue Aufgaben zu verteilen, muss "Hier!" gerufen werden, heißt seine Losung.