Keine Bestnoten für IRT

TRIER. Selbstkritisch, aber ohne Selbstzerfleischung hat die Initiative Region Trier die Weichen für eine personelle und inhaltliche Erneuerung gestellt. Auf einer Mitgliederversammlung im IHK-Tagungszentrum wählten die Delegierten unisono den ehemaligen Trier-Saarburger Landrat Richard Groß in das Ehrenamt des Vorsitzenden.

Zuvor hatte die Runde den langjährigen IRT-Chef Harry Thiele verabschiedet, in dessen siebenjähriger Amtszeit die Initiative an Mitgliedern und öffentlichem Einfluss erheblich dazugewann. "Von Ihrer Sorte könnte es ruhig mehr geben", lobte IHK-Hauptgeschäftsführer Arne Rössel den Unternehmer, der zwar noch in Trier wohnt, aber in Hessen tätig ist. Rössel ließ zahlreiche Veranstaltungen und Initiativen Revue passieren, die Thiele vor allem in den ersten Jahren seiner Amtszeit auf die Schiene gesetzt hatte: Regionalkonferenzen, "Tage der Region" und Aktionen wie den Bahn-Express nach Mainz, wo die Region ihre Interessen artikulierte. Thiele selbst schlug dann seinen Nachfolger vor. Vorschlag, Vorstellung und Wahlprozedere gingen in drei Minuten über die Bühne, es gab keinen Diskussionsbedarf bei der "Personalie Groß". Aber auch bei der Grundsatzdebatte über die teilweise kritischen Ergebnisse einer Mitgliederbefragung musste der frisch gebackene Vorsitzende die Beteiligung zunächst anmahnen. Dann meldeten sich fast ausschließlich Politiker - die ohnehin nur spärlich vertretenen Mitglieder aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur verfolgten die Routine-Ansprachen weitgehend beteiligungslos.Wenig Resonanz für das Internet-Portal

Das passte zu manchen der Ergebnisse, die eine Umfrage unter den 99 Mitgliedern erbracht hatte. Bei der Frage, wie die IRT in den vergangenen Jahren ihre Aufgaben erledigt habe, blieben "sehr gut" und "gut" Mangelware. Das sei "keineswegs befriedigend", merkte denn auch Richard Groß an. Ebenso wenig wie die mäßige Mitglieder-Resonanz für das Internet-Portal der Region. Die Hälfte hatte den hoch gepriesenen Auftritt im "world wide web" nie oder selten angeklickt. Freilich gab es auch positive Bewertungen. Und klare Vorgaben, was die Mitglieder erwarten: schnellere, bessere Kommunikation, effektive Öffentlichkeitsarbeit, erfolgreiches regionales Marketing, klare Akzente bei Kultur und Tourismus. "Wir haben jede Menge zu tun", so das Fazit von IRT-Geschäftsführer Walter Born. Der Grat, auf dem gearbeitet wird, bleibt allerdings schmal. Die Erwartungen an die Initiative sind hoch, die Bereitschaft, sie mit Kompetenzen auszustatten, weniger. So ergab beispielsweise eine Befragung von Kulturschaffenden, dass man einerseits eine gemeinsame überregionale Außenvermarktung von Veranstaltungen dringend wünscht, andererseits aber eine Dachmarke, die eine solche Vermarktung ermöglicht, ablehnt. Nur begrenzt aufgeklärt werden konnte auch die Frage, warum die groß angekündigte Benennung kultureller Leuchttürme der Region inzwischen im Bereich der Fußnote verschwunden ist. Die Realisierung der Kultur-Agentur soll aber laut Groß ein Schwerpunkt der Arbeit bleiben, und zwar "möglichst schnell vor dem Kulturhauptstadtjahr 2007". Schließlich will der neue Vorsitzende "nicht der Beerdigungsunternehmer für die IRT sein", sondern Impulsgeber.