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Keine China-Flüge vom Hahn

Keine China-Flüge vom Hahn

Was hat der Konzern HNA mit dem Hunsrück-Flughafen vor? Ein Asien-Experte sieht den neuen Besitzer skeptisch. Die Gesellschaft sei wegen waghalsiger Finanzgeschäfte aufgefallen.

Im kommenden Jahr wird in Trier der 200. Geburtstag von Karl Marx mit einer großen Ausstellung gefeiert. Tausende Chinesen, die den in Trier geborenen Philosophen verehren, werden erwartet. Viele davon sollten über den Flughafen Hahn im Hunsrück nach Deutschland kommen. Der neue Besitzer des finanziell angeschlagenen Flughafens, die chinesische Unternehmensgruppe HNA, hatte bei den Verkaufsverhandlungen damit geworben, regelmäßige Passagierflüge von China zum Hahn anzubieten. Dabei hatten die Investoren ausdrücklich auch das Marx-Jahr 2018 im Blick.

Doch daraus wird wohl nichts. Es gibt in Deutschland keine freien Flugfrequenzen für zusätzliche Passagierflüge von und nach China. Nach TV-Recherchen nutzen derzeit die chinesischen Luftfahrtunternehmen alle zur Verfügung stehenden Flugfrequenzen. Hintergrund ist ein Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und China aus dem Jahr 1978, das zuletzt 1995 geändert worden ist. Darin ist unter anderem die Höchstzahl der wöchentlichen Flüge festgelegt.

Derzeit ist wohl nicht geplant, dass in absehbarer Zeit eine bereits in Deutschland landende chinesische Fluggesellschaft ihre Flüge auf den Hahn umleitet. Die zur HNA-Gruppe gehörende chinesische Fluggesellschaft Hainan Airlines, die nach Berlin-Tegel fliegt, teilte auf Anfrage unserer Zeitung, ob es Flüge zum Hahn geben wird, mit, dass keine Flüge nach "Frankfurt" geplant seien. Gemeint ist damit Frankfurt-Hahn, wie der offizielle Name des Hunsrückflughafens ist. Aus dem Umfeld des Flughafens war zu erfahren, man rechne nicht mehr damit, dass im nächsten Jahr Passagierflüge nach China vom Hahn aus starten werden. Die Fluggesellschaften hätten ihre Planungen für 2018 abgeschlossen.

Manuel Vanmeer, China-Experte und Unternehmensberater aus dem baden-württembergischen Wiesloch, geht nicht davon aus, dass HNA den Hahn gekauft hat, um dort vor allem Passagierflüge anbieten zu können. Ein mitten in Europa gelegener perfekt ausgebauter Flughafen eigne sich ideal als Umschlagplatz für chinesische Frachtflüge, sagte Vanmeer unserer Zeitung. Der Hahn könne eine wichtige Rolle spielen bei der Strategie Chinas, eine Logistikverbindung nach Europa aufzubauen. Bislang halten sich die neuen Hahn-Besitzer jedoch bedeckt, was die mittelfristigen Planungen angeht. "Wir würden uns wünschen, dass man uns die Zeit gibt zu liefern", sagte HNA-Sprecher Christoph Goetzmann.

HNA hatte von Rheinland-Pfalz einen Anteil von 82,5 Prozent am Hahn für 15,1 Millionen Euro erworben. Doch wie seriös ist HNA? Das Unternehmen sei in China aufgrund seiner aggressiven internationalen Expansion in Verruf geraten, sagte Jost Wübbeke vom Berliner Mercator-Institut für China-Studien. "Viele Investitionen im Ausland hat HNA durch waghalsige Finanzierungsmodelle wie der weitreichenden Verpfändung von Aktien an die Gläubiger finanziert. Brechen diese Strukturen zusammen, könnten HNA und seine Tochterunternehmen in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten." Die chinesischen Aufsichtsbehörden hätten die staatlichen Banken angewiesen, sich bei der Kreditvergabe an HNA zurückzuhalten, sagte Wübbeke.

WINTERFLUGPLAN KOMMT IN KÜRZE
Wohin fliegt Ryanair ab Winter vom Hahn aus? Die Winterflugpläne für Luxemburg, Köln und Frankfurt wurden bereits vorgestellt. Der Flugplan für den Hahn werde in Kürze bekanntgegeben, sagte ein Ryanair-Sprecher.