Keine Friedenswahl

MAINZ. (win) Die Wahl zur Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz wird im Kreis Bernkastel-Wittlich keine "Friedenswahl" sein. Winzerin Anne Börker kandidiert gegen Vertreter des Bauern- und Winzerverbandes.

Landesweit wird die für den 30. Oktober angesetzte Wahl zur Vollversammlung der Landwirtschaftskammer (LWK) wohl nach altem Ritual als "Friedenswahl" ablaufen: Der Bauern- und Winzerverband stellt Bewerber auf, die automatisch als gewählt gelten, wenn sich keine Gegenkandidaten mit 20 Unterstützungsstimmen von Kammermitgliedern melden. Doch Winzerin Anne Börker (Reil, Kreis Bernkastel-Wittlich) ist erneut nicht gewillt, den Verbandsvertretern kampflos die 80-köpfige Vollversammlung zu überlassen. Bereits 1999 sorgte sie mit ihrem erfolgreichen Antreten für Furore. "Ich will wissen, was in der Kammer vor sich geht", sagt Börker. Schließlich zahlt sie ja auch Beiträge. Unmittelbar vor Ende der Abgabefrist für ihre Bewerbung am Donnerstag meldete sich zwar Kreisbauernchef Manfred Zelder bei der Reilerin mit dem Angebot, als seine Stellvertreterin für die Versammlung zu kandidieren. Doch die nach eigenen Angaben lange Zeit als "Quertreiberin" angegangene Winzerin lehnte ab. Sie lasse sich nicht einkaufen, so Börker zum TV. Er habe keinesfalls versucht, jemanden zu ködern, betonte Zelder auf Anfrage. Ihm sei es vor allem darum gegangen, mit der "Friedenswahl" auch Kosten zu sparen, die bei einem echten Wahlgang der Landwirtschaftskammer von der Kreisverwaltung in Rechnung gestellt werden. Im Kreis Cochem-Zell scheiterte Winzer Thomas Steinbach (Briedel) mit seinen Bemühungen für eine Kandidatur. Beim Sammeln der Unterstützer-Unterschriften fehlte vielen der Mut, sich gegen den Bauernverband zu stellen, sagt Steinbach. Mit der Wahl einer neuen LWK-Vollversammlung kündigt sich auch ein Wechsel im Amt des Kammerpräsidenten an. Als Nachfolger von Günther Schartz wird der Präsident des Bauernverbandes Rheinland-Pfalz Süd, CDU-Bundestagsabgeordneter Norbert Schindler, gehandelt.