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Keine Kölner Verhältnisse in Mainz, Trier oder anderswo

Keine Kölner Verhältnisse in Mainz, Trier oder anderswo

Die närrischen Tage an Rhein und Mosel sollen nicht durch Kriminalitätsexzesse wie in Köln in der Silvesternacht gestört werden. Eigens dafür hat die rheinland-pfälzische Polizei jetzt ihr Sicherheitskonzept überarbeitet. Längst nicht alle sind begeistert.

Mainz. Der Mainzer Polizeidirektor Achim Zahn ist ein alter Hase. Der 60-Jährige hat in seiner langen Karriere schon Dutzende Großeinsätze geleitet - auch an den turbulenten Tagen in der Landeshauptstadt. Im vergangenen Jahr wurden die Mainzer Polizisten mit einer bislang nicht bekannten Masche konfrontiert. Etwa zehnköpfige Gruppen dunkel gekleideter Männer suchten sich offenbar gezielt betrunkene Narren raus und schlugen diese zusammen. Im gleichen Jahr warnten die hessischen Kollegen vor Antanzgruppen, die ahnungslose Karnevalisten umringen und bedrängen, um an ihre Wertsachen zu kommen.
Vorgänge, die zumindest entfernt an das erinnern, was sich in der Silvesternacht rund um den Kölner Bahnhof zugetragen hat und seitdem nicht nur in Deutschland für Schlagzeilen sorgt. Damit Köln und die anderen Städte, aus denen Ähnliches gemeldet wurde, unrühmliche Ausnahmen bleiben, hat Rheinland-Pfalz reagiert und sein Sicherheitskonzept überarbeitet. Das Resultat: Die Polizei will vor allem in den größeren Städten wie Mainz, Ludwigshafen, Trier oder Koblenz möglichst frühzeitig erkennen, wenn möglicherweise kriminelle Gruppierungen im Anmarsch sind oder ihr Unwesen treiben. "Wir werden hier nicht dulden, dass sich so etwas wie in Köln wiederholt", hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die Devise vorgegeben.In der Warteschlange


Die Polizei wird deshalb aufrüsten: Mobile Einsatzgruppen sowie die ansonsten zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität eingesetzten Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten der Bereitschaftspolizei sollen an den turbulenten Tagen dafür sorgen, dass die närrischen Großveranstaltungen sicher über die Bühne gehen. Die Videoüberwachung wird ausgeweitet - "natürlich in Absprache mit dem Landesdatenschutzbeauftragten", sagt Innenminister Roger Lewentz, um potenziellen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zudem sollen von Polizisten getragene Körperkameras (Bodycams) nicht nur in Mainz oder Koblenz zum Einsatz kommen, sondern auch in Trier oder Ludwigshafen. Wenn denn welche zu bekommen sind. Denn die Nachfrage ist laut Lewentz seit den Ereignissen von Köln so groß, dass kaum noch Kameras erhältlich seien.
"Wäre Rot-Grün unseren Anträgen vor zwei Jahren gefolgt, hätte die Polizei jetzt Bodycams und stünde nicht in der Warteschlange", lästerte sogleich der CDU-Innenexperte Matthias Lammert, der auch auf den Berg von 1,7 Millionen Überstunden hinwies, den die Beamten schon jetzt vor sich herschöben.
Wahrscheinlich wird dieser Überstundenberg über die närrischen Tage weiter anwachsen, auch wenn Minister Lewentz ausweichend meinte: Das werde sich erst ergeben. "Aber wenn Überstunden notwendig werden, ordnen wir sie an." Für CDU-Mann Lammert ein Indiz dafür, dass das Sicherheitskonzept auf dem Rücken der Polizisten umgesetzt werde.
Das dürfte der derzeit eher verunsicherten bis verängstigten Bevölkerung allerdings ziemlich egal sein. Hauptsache, es kommt an den Fastnachtstagen nicht zu Übergriffen wie in der Kölner Silvesternacht. Es werde alles getan, um "schöne, fröhliche und sichere Fastnachtstage" zu gewährleisten, verspricht der Innenminister, und der Mainzer Polizeidirektor nickt zustimmend.