Keine Requiem-Stimmung

TRIER. Mit einem feierlichen Pontifikalamt sind die Heilig-Rock-Tage 2005 eröffnet worden. Auch wenn die Beerdigung des Papstes das dominierende Thema war: Der Blick ging bei Gläubigen und Zelebranten in die Zukunft.

"Haben Sie noch welche von den Bildchen vom Heiligen Vater da?", fragt die Nonne am Eingang des großen Zeltes auf dem Domfreihof. "Die gibt's noch", sagt Organisationsleiter Wolfgang Meyer, "aber dafür müssen Sie ins Büro des Generalvikariats". Die Totenfeier für Johannes Paul II. liegt noch keine fünf Stunden zurück, aber die Heilig-Rock-Tage, die an diesem Freitagnachmittag eröffnet werden, haben wenig von einem verspäteten Requiem. Keine Papst-Devotionalien sind zu sehen, und auch die Stimmung bei der Eifeler Damenrunde, die im Festzelt die Wartezeit bis zum Beginn der Messe überbrückt, klingt nicht nach Beerdigung. Natürlich haben alle die Übertragung aus Rom verfolgt, die beeindruckende Abschiedsfeier. "So was kriegen wir in unserem Leben ja nie mehr zu sehen", sagt einer der Besucher. Er ist Anfang 60, wer weiß, ob der nächste Papst nicht älter ist als er. "Aber jetzt gucken wir nach vorne", befindet eine Dame resolut. Man könnte meinen, sie hätte vorab die Predigt von Bischof Marx gehört. Er wird später sagen, es sei ein "Missverständnis", wenn manche glaubten, die Kirche müsse nach dem Tod des Papstes "neu erfunden werden". Nötig sei ein "Aufbruch aus der Mitte des Glaubens".Aufrüttelnde Töne aus dem Schwalbennest

Was der Aufbruchstimmung zunächst entgegensteht, ist die unwirtliche Witterung. "Hoffentlich bleibt das nicht so", bangt der Mann vom Besucherdienst am mäßig frequentierten Info-Stand. Die Gläubigen hasten an den Themen-Zelten vorbei in den Dom, statt wie in früheren Jahren schon im Vorfeld das gemütliche Gespräch zu suchen. Da passt es, dass Dom-Organist Josef Still die Gläubigen unter einem unvermittelten Gewitter zusammenzucken lässt. Das improvisierte Forte aus dem Schwalbennest rüttelt die versammelte Gemeinde durch, bevor die Orgel zu ruhigeren und am Ende majestätischen Tönen findet. Vielleicht will Still die Gefühlswallungen der letzten Tage Revue passieren lassen. Der feierliche Rahmen lockt viele in den Dom. "Ein Pontifikalamt ist immer was besonderes", sagt der Musiker Peter Mergener. Und dennoch bleiben diesmal seitlich ein paar Plätze leer - manche werden erschöpft sein von den vielen Trauerfeiern der letzten Tage. "Noch stehen wir unter dem Eindruck der Bilder aus Rom", sagt Bischof Marx bei der Begrüßung. Aber "Tagesordnungspunkt eins" sei Jesus, "und nicht das, was uns der Zeitgeist aufdrängen will". Ausführlich erläutert Marx das Leitwort der diesjährigen Heilig-Rock-Tage "Kommt und Seht". Es sei eine "Einladung an alle Suchenden". Ziel müsse sein, für den Glauben "neuen Schwung und neue Zuversicht" zu entwickeln. "Begnügt euch nicht mit einigen religiösen Events", ruft der Bischof fast beschwörend aus. Ein Appell, der die Gläubigen freilich nicht daran hindert, sich nach dem Gottesdienst intensiv der Eröffnung des Events "Heilig-Rock-Tage 2005" zu widmen.