Kindergarten wird zur Vorschule

Kindergarten wird zur Vorschule

MAINZ. Ein millionenschweres Ausbaukonzept soll in rheinland-pfälzischen Kindertagesstätten mehr Bildungsarbeit und Betreuungsmöglichkeiten eröffnen. Im Mittelpunkt steht vor allem die Sprachförderung zur Schulreife.

Rechtzeitig vor der Einschulung sollen künftig im Kindergarten die sprachlichen Fähigkeiten der Jungen und Mädchen gezielt beobachtet und gefördert werden. Rund acht Millionen Euro will Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) ab dem nächsten Jahr in Sprachförderprogramme und zwei Millionen Euro in die Fortbildung von Erzieherinnen investieren, um den Nachwuchs fit für die Schule zu machen. Damit alle Kinder vor allem das pädagogisch aufgewertete letzte Kindergartenjahr besuchen, werden dafür keine monatlichen Beiträge mehr kassiert. Schicken Eltern dennoch ihren Nachwuchs nicht in die Tagesstätte, wird ein Sprachtest fällig, um frühzeitig Defizite festzustellen und über Förderangebote vor der Einschulung zu beheben. Seit 2002 läuft bereits ein spezielles Programm in erster Line für Kinder aus Ausländerfamilien, das nun deutlich ausgeweitet werden soll. Durch eine verbesserte Abstimmung der Bildungsprogramme in Kindergarten und Grundschule hofft Ahnen auch einen leichteren Übergang zu ermöglichen. Fest eingeplant ist ab dem Schuljahr 2008/2009 ein Verschieben des Stichtags für die Einschulung von 1. Juli auf 1. September. Bisher konnten Kinder, die vor diesem Tag sechs Jahre alt werden, im Rahmen einer Kann-Regelung in die Schule gehen. Mit der geplanten verstärkten Öffnung der Kindergartengruppen für Zweijährige sollen nicht nur die Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder ausgebaut, sondern auch dem bevorstehenden demographischen Wandel Rechnung getragen werden. Damit dürfte sich manche Diskussion um die Schließung von Gruppen mangels Nachfrage und den gleichzeitig geforderten Ausbau von Krippenplätzen für die Kleinen erübrigen. Waren bisher nur zwei Zweijährige pro Kindergartengruppe zugelassen, sollen es künftig bis zu sechs sein. Laut Vorgaben eines neuen Betreuungsgesetzes des Bundes muss bis 2010 landesweit die Zahl der Plätze für unter drei Jahre alte Kinder um mindestens 11500 auf rund 16 300 steigen, damit der Gesamtbedarf wenigstens zu rund 20 Prozent abgedeckt werden kann. In Rheinland-Pfalz soll allerdings ab 2010 ein Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz gelten, so dass die Quote möglicherweise merklich höher liegen müsste. Ministerpräsident Kurt Beck rechnet mit einer Nachfrage von bis zu 50 Prozent. Das Land finanziere nach dem Prinzip "Wer bestellt, bezahlt" alle Mehrkosten, die es auch veranlasse, versicherte Finanz-Staatssekretär Ingolf Deubel.