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Kirche macht wiederverheirateten Geschiedenen wenig Hoffnung - Experte zweifelt an Zulassung zum Kommunionempfang

Kirche macht wiederverheirateten Geschiedenen wenig Hoffnung - Experte zweifelt an Zulassung zum Kommunionempfang

In der Debatte über einen neu veröffentlichten und überarbeiteten Aufsatz von Benedikt XVI. hat sich der Freiburger Liturgiewissenschaftler Helmut Hoping zu Wort gemeldet. Der Text werde "nicht ohne Einfluss" auf die kommende Weltbischofssynode zu Ehe und Familie bleiben, sagte Hoping am Montag dem Internetportal katholisch.de

Bonn/Freiburg. Hat die späte Überarbeitung eines über 40 Jahre alten Aufsatzes von Joseph Ratzinger Folgen für den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen? Ja, meint der Freiburger Liturgiewissenschaftler Helmut Hoping. Zugleich weist der Theologe Kritik an der Überarbeitung des Aufsatzes durch den Autor selbst zurück. "Wer sagt, der emeritierte Papst habe aus dem gleichen historischen Befund und seiner Beurteilung nun andere Schlüsse gezogen, verdreht die Sache."Keine individuellen Lösungen?


Hoping ist Mitglied des Kuratoriums des Instituts Papst Benedikt XVI. Regensburg. Eine Aufgabe des Instituts ist die Herausgabe der gesammelten Schriften Joseph Ratzingers bis zu dessen Papstwahl 2005.
Unlängst wurde ein Aufsatz von 1972 veröffentlicht, in dem Ratzinger einerseits das unbedingte Festhalten an der Unauflöslichkeit der Ehe betonte, sich aber zugleich in engen Grenzen für mögliche individuelle Lösungen aussprach, so dass in Einzelfällen auch Wiederverheiratete vom jeweiligen Ortspfarrer wieder zu den Sakramenten zugelassen werden könnten (der TV berichtete in seiner Ausgabe vom Mittwoch, 19. November). In der stark überarbeiteten Fassung spricht Benedikt XVI. nun nicht mehr von einem möglichen Sakramentenempfang für Wiederverheiratete, sondern empfiehlt stattdessen, häufiger Ehenichtigkeitsverfahren zu führen und so den Weg für eine zweite Ehe und damit den Zugang zu Kommunion und Beichte freizumachen.
Die redaktionelle Überarbeitung sorgte unter anderem deswegen für Diskussionen, weil sich neben anderen der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper bei seinen Überlegungen zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen auf die Ursprungsversion des Aufsatzes bezogen hatte. Kaspers Vorschlag war auf der außerordentlichen Weltbischofssynode im Oktober teils auf heftige Kritik gestoßen.
Bislang sind wiederverheiratete Geschiedene laut katholischer Lehre von den Sakramenten ausgeschlossen. In der Praxis gibt es jedoch oft individuelle Lösungen. Erwartet wird, dass sich Papst Franziskus im kommenden Jahr nach der ordentlichen Weltbischofssynode zu diesem Thema äußern wird.
Faktisch stärkt nach Ansicht von Hoping die überarbeitete Version des Aufsatzes die Position jener Kardinäle, "die den Vorschlag von Kardinal Kasper zurückgewiesen haben, darunter Gerhard Ludwig Müller, Marc Ouellet und George Pell". Sowohl Johannes Paul II. als auch Benedikt XVI., die hier die Tradition hinter sich wüssten, hielten eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion theologisch nicht für möglich, so der Liturgiewissenschaftler. "Das wird ein Argument in der kommenden Familiensynode sein."
Hopings Freiburger Kollege Eberhard Schockenhoff hatte in der vergangenen Woche ebenfalls auf katholisch.de Kritik an der Überarbeitung des Aufsatzes geäußert. Auf die Frage, was die Veröffentlichung für die aktuelle Diskussion über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen bedeute, antwortete der Moraltheologe: "Da kann man natürlich nur spekulieren, ob es ein Zufall ist, dass die Veröffentlichung genau jetzt stattfindet oder Benedikt indirekt Einfluss nehmen möchte." KNA