Kirchen kritisieren Kürzungen bei Ein-Euro-Jobs

Kirchen kritisieren Kürzungen bei Ein-Euro-Jobs

Das Fördergeld für Ein-Euro-Jobs ist seit 2010 drastisch gekürzt worden, obwohl die Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt. Wissenschaftler der Uni Koblenz und die Kirchen kritisieren dies und warnen vor den sozialen Folgen.

Die Arbeitsmarktstatistiken in der Region Trier könnten zwar kaum besser sein: Es herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Langzeitarbeitslosen hilft das allerdings wenig. Eine von der Evangelischen Kirche im Rheinland und dem Bistum Trier beauftragte Studie des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz zeigt, dass der Anteil der Hartz-IV-Empfänger an der Gesamtzahl der Arbeitslosen steigt - während die Fördermittel, die dazu gedacht sind, sie wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern, drastisch gekürzt wurden: In Rheinland-Pfalz flossen 2010 fast 200 Millionen Euro, 2013 ist es nur halb so viel. Laut den regionalen Jobcentern sind vor allem die umstrittenen Ein-Euro-Jobs von den Kürzungen betroffen.
Umstritten sind sie unter anderem, weil sie im Verdacht stehen, reguläre Stellen zu gefährden, die Statistik zu schönen, zu prekären Arbeitsverhältnissen zu führen und nicht zuletzt, weil das arbeitsmarktpolitische Ziel zu selten erreicht wird: die Wiedereingliederung in die normale Berufswelt.

Aber sind sie deshalb sinnlos? Sowohl die Kirchen als auch die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss: keineswegs. Und sie sagen auch: Dafür muss Geld zur Verfügung stehen. "Es ist wichtig, auch die sozialpolitische Wirkung zu sehen", sagt Bischof Stephan Ackermann. Der Studie zufolge haben Ein-Euro-Jobs für die Betroffenen einen sehr hohen Wert. Ermöglichen sie doch soziale Kontakte, einen geregelten Tagesablauf, ein kleines Einkommen, eine bessere Gesundheit, ein neues Selbstbewusstsein.

Als großes Problem sieht Prof. Stefan Sell, Leiter der Studie, dass die Beschäftigung befristet ist und viele Arbeitslose danach in ein tiefes Loch stürzen. Ein Drittel resigniere dadurch vollends. Und ein weiteres Drittel laufe Gefahr, ebenfalls für immer in Hartz IV abzurutschen.
"Wir müssen akzeptieren, dass wir nicht alle Menschen in den ersten Arbeitsmarkt eingliedern können", sagt Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Gesellschaft könne es sich aber nicht leisten, diese Menschen einfach abzuschreiben. Arbeit sei mehr als ein Broterwerb.