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Kita-Verbot für nicht geimpfte Kinder: Wie andere Länder gegen die Masern-Welle kämpfen

Kita-Verbot für nicht geimpfte Kinder: Wie andere Länder gegen die Masern-Welle kämpfen

Die jüngste Masern-Welle in Deutschland hat eine Debatte über Präventionsmaßnahmen gegen die hoch ansteckende Infektionskrankheit ausgelöst. Kommt die Impfpflicht? Kritiker halten Zwangsmaßnahmen für fehl am Platz. Andere Länder gehen bei der Bekämpfung rigoroser vor.

Berlin. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kann sich inzwischen eine Impfpflicht vorstellen, die er bislang stets abgelehnt hatte. Strategien für den Anti-Masern-Kampf gibt es viele. Diese werden momentan am meisten diskutiert:
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!Beratungspflicht: Bereits im Dezember hatte das Bundeskabinett eine Vorlage zu gesundheitsfördernden und vorbeugenden Maßnahmen verabschiedet, in deren Rahmen auch eine höhere Impfquote angestrebt wird. Konkret ist vorgesehen, dass Eltern vor Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita eine ärztliche Impfberatung nachweisen müssen. Deshalb muss das Kind aber nicht tatsächlich geimpft sein. Die parlamentarischen Beratungen des Gesetzentwurfs stehen noch aus. Die Bestimmungen sollen in der zweiten Jahreshälfte in Kraft treten.
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!Kita-Verbot: In Australien gilt, wer sein Kind nicht impfen lässt, dessen Nachwuchs darf auch keine Kita besuchen. In Teilen der USA heißt es: No shot, no school - Keine Impfung, keine Schule. Einige private Kindergärten in Deutschland verfahren bereits genauso. Sie weisen Kinder zurück, deren Eltern sich gegen einen Impfschutz entschieden haben. Eine flächendeckende Lösung dieser Art ist in Deutschland mit seinen föderalen Strukturen allerdings kaum vorstellbar.
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!Masern-Partys: Hier bringen Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, sie mit bereits erkrankten Kindern zusammen, damit sich die gesunden Kinder anstecken und so immun gegen die Erkrankung werden. Fachleute halten dieses Vorgehen wegen möglicher Komplikationen für hoch gefährlich. "Das ist unverantwortlicher Unsinn", erklärte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.
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!Aufklärung: Nach wissenschaftlichen Untersuchungen infizieren sich neun von zehn ungeimpften Kindern, wenn sie mit den Masern-Erregern in Kontakt kommen. Ein bis drei von 1000 erkrankten Kindern sterben. Die Tatsache, dass ein Kind in Berlin jetzt an Masern starb und wegen der Krankheit eine Schule dort zeitweilig geschlossen wurde, könnte nach Einschätzung von Lauterbach manche Eltern zum Umdenken bringen. Auch Minister Gröhe meinte: "Wir müssen die Eltern davon überzeugen, wie gefährlich diese Krankheit ist."
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!Impfpflicht: Nach dem geltenden Infektionsschutzgesetz könnten die Behörden schon jetzt zumindest zeitweilig Impfungen vorschreiben, "wenn eine übertragbare Krankheit mit klinisch schweren Verlaufsformen auftritt und mit ihrer epidemischen Verbreitung zu rechnen ist". Bei Verstößen gegen das Gesetz drohen Bußgelder von bis zu 25.000 Euro. Allerdings wurde das Gesetz seit 1975 nicht mehr angewandt.

Extra Masern-fälle in Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz hat es in diesem Jahr laut Auskunft des Landesuntersuchungsamtes (Lua) in Koblenz noch keinen Masern-Fall gegeben. In 2014 erkrankten ingesamt acht Personen an Masern. Laut Lua-Sprecher Achim Ginkel ist die Impfrate bei den Schulkindern sehr hoch. Sie liege im landesweiten Durchschnitt bei 97,5 Prozent für die erste und bei knapp 94 Prozent für die zweite Masern-Impfung. Lücken gebe es allerdings bei jungen Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren. Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler steht einer Impfpflicht skeptisch gegenüber. Die Landesärztekammer appelliert an alle Ärzte, noch intensiver und hartnäckiger als sonst, Patienten über Impfungen zu informieren. wie