Klares Nein zu 40 Stunden

WITTLICH.Warnstreik beim Armaturenhersteller Ideal Standard: Vor allem die Forderung der Arbeitgeber, die Arbeitszeit auf betrieblicher Ebene auf 40 Stunden erhöhen zu können, stößt bei den Beschäftigten auf Widerstand.

Mittwoch, 13.10 Uhr im Wittlicher Industriegebiet. Die roten Fahnen der IG Metall wehen in der lauen Frühlingsluft vor dem Werk von Ideal Standard. Etwa 150 bis 200 Mitarbeiter, so schätzen die Gewerkschafter, haben sich vor dem Tor der Firma zur Kundgebung versammelt. Es sind Früh- und Tagschicht, die für einen Warnstreik eine Stunde lang ihre Arbeit niedergelegt haben. "Die von den Arbeitgebern geforderte 40-Stunden-Woche - das ist das wichtigste Argument für den Warnstreik", sagte eine der Beschäftigten entrüstet. So scheinen viele der Ideal-Standard-Leute zu denken, die sich dem Warnstreik angeschlossen haben. Horst Schönhofen, einer der 26 Gewerkschaftsvertreter im Betrieb (auch Vertrauenskörper genannt) erklärt: "Nachdem die Arbeitgeber das gefordert haben, ist die Stimmung im Betrieb gekippt." Eine Tariferhöhung um 1,2 Prozent haben die Arbeitgeber der vier Prozent fordernden Gewerkschaft angeboten - und das auch nur in Zusammenhang mit einer Öffnungsklausel. Diese Klausel soll auf betrieblicher Ebene die Verlängerung der Wochenarbeitszeit von derzeit 35 auf bis zu 40 Stunden ermöglichen - und das ohne Lohnausgleich. "Arbeitszeitverlängerung vernichtet Arbeitsplätze"

Nicht nur der fehlende Lohnausgleich bringt die Beschäftigten auf die Palme. Marlies Freudenreich, ebenfalls Vertrauenskörper, meint: "Arbeitszeitverlängerung vernichtet Arbeitsplätze. Wird die 40 Stunden-Woche hier eingeführt, dann sind mehr als 80 Arbeitsplätze in Gefahr." Etwa 720 Menschen sind zur Zeit bei Ideal Standard beschäftigt. Freudenreich gibt weiterhin zu bedenken: "Der Altersdurchschnitt im Betrieb ist relativ hoch. Für die Leute, die auf die 60 zugehen, sind 40 Stunden ein harter Brocken." Die Auftragsbücher seien auch nicht voll genug, um die Arbeitszeit zu erhöhen. Für den Fall, dass kurzfristig länger gearbeitet werden müsse, gebe es bei Ideal Standard zudem bereits Arbeitszeitkonten. Winfried Groß, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Trier, wies gestern in Wittlich zudem darauf hin, dass Öffnungsklauseln Firmen wie Ideal Standard, die Werke im Ausland, in diesem Fall beispielsweise Bulgarien, haben, erpressbar machten. Es könne gedroht werden, die Herstellung ins Ausland zu verlegen, wenn Forderungen nicht erfüllt würden. Die Tariferhöhung um 1,2 Prozent bezeichnete Freudenreich als nicht akzeptabel. "Bei all dem, was wir im Gesundheitswesen draufzahlen müssen, ist das wirklich lächerlich." Die Geschäftsführung von Ideal Standard in Wittlich lehnte gestern auf TV -Anfrage eine Stellungnahme zum Warnstreik ab. Für die Mittelgruppe IG Metall, in der Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zusammengefasst sind, war der gestrige Mittwoch der vierte Warnstreik-Tag. 6200 Metaller aus 36 Betrieben, darunter Volvo in Konz, waren m Bezirk zum Warnstreik aufgerufen. Die Verhandlungen werden am 12. Februar fortgesetzt. Für Mittwoch, 11. Februar, ist ein weiterer Warnstreik bei Ideal Standard in Wittlich geplant.

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