Kleine Krabbler, große Plage

TRIER. Alle Jahre wieder, vor allem in Herbst und Winter, tritt in Kindergärten und Schulen vereinzelt eine Plage auf: Kopfläuse. Die Verbreitung der Plagegeister kann nur durch gründliche Behandlung gestoppt werden.

"Woher unsere Tochter Melanie die Kopfläuse hatte, wissen wir nicht", sagt Monika Graser (Namen geändert) aus einem Ort im Kreis Trier-Saarburg. "Plötzlich kratzte sie sich am Kopf. Ich sah nach und fand sowohl graue Läuse als auch die Eier, die wie an einer Perlenschnur am Haar klebten." So wie in Melanies Fall entdecken die meisten Betroffenen erst durch heftigen Juckreiz, dass sie befallen sind. Schuld daran ist der Speichel, den die Tiere beim Blutsaugen in die Kopfhaut absondern. Monika Graser reagierte trotz anfänglicher Panik vernünftig und suchte sofort einen Kinderarzt auf.Arztbesuch lohnt sich

Er verschrieb ihrer Tochter ein Präparat, das sie daraufhin kostenfrei in der Apotheke erhielt. "Solche Mittel sind apothekenpflichtig und im freien Verkauf relativ teuer. Der Weg zum Arzt lohnt sich daher und garantiert zudem eine sachgerechte Behandlung", rät Monika Graser. Zu Hause wusch sie den Kopf ihrer Tochter mit dem Präparat und kämmte täglich die abgestorbenen Eier, Nissen genannt, aus. "Das geht am besten mit einem sehr feinzinkigen Spezialkamm aus Metall", sagt die erfahrene Mutter. Natürlich informierte sie auch sofort die Schule und ließ ihre Tochter einige Tage zu Hause, bis ein Attest des Arztes Unbedenklichkeit bescheinigte. Währenddessen und bis vier Wochen später durchlebte die Familie turbulente Zeiten. "Haarkontrolle Partie für Partie, morgens, mittags und abends, die Behandlung nach acht Tagen wiederholen, um nachgeschlüpfte Larven abzutöten, vier Betten täglich abziehen, Kuscheltiere einfrieren, alles bei 60° Celsius Waschbare waschen, den Rest in Säcke verpacken, um die Läuse auszuhungern - es war ungeheuer anstrengend", erzählt Monika Graser. "Man darf ja nichts vergessen. Sogar die Kopfstützen im Auto müssen gereinigt werden." Wieder in der Schule, musste ihre Tochter gelegentliche Hänseleien der Mitschüler erdulden. "Dabei kann es ja jeden treffen, egal, wie gepflegt man ist", sagt Monika Graser. "Ich finde es trotzdem richtig, mit offenen Karten zu spielen, damit die anderen wissen, woran sie sind und Vorsichtsmaßnahmen ergreifen können. Es gibt immer noch viele, die verschweigen, wenn sie betroffen sind - aus Scham, für unsauber gehalten zu werden." In der Schule wurden die Jacken auseinander gehängt, Mütter flochten ihren Mädchen Zöpfe, um Läusen das Einnisten zu erschweren und schärften den Kindern ein, Bürsten nicht gemeinsam zu benutzen. Läusebefall muss von Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Der Leiter der Trierer Behörde, Harald Michels, beruhigt: "Im Moment ist uns nichts Gravierendes bekannt." Im Fall des Falles sei das Wichtigste an einer Behandlung ihre Wiederholung nach acht bis zehn Tagen, intensive Reinigung von Kämmen, Bürsten und Textilien oder genügend langes Aushungern der Läuse für drei bis vier Wochen. Fragen zum Thema beantworten Ärzte und Gesundheitsamt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Internet: www.bzga.de) gibt Infobroschüren aus.