Kleine Krankenhäusern zittern um ihre Existenz

Kostenpflichtiger Inhalt: Krankenhäuser in der Region : Gesundheitsexperte: Nicht jede kleine Klinik wird überleben

Stationen schließen, Betreiber schreiben rote Zahlen, es fehlt Geld für Investitionen: Viele Häuser stecken in der Krise. Der Chef der Krankenhausgesellschaft erwartet Veränderungen.

Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft rechnet fest damit, dass es in Rheinland-Pfalz künftig weniger kleine Kliniken gibt, die Patienten versorgen. Im Interview mit unserer Zeitung sagt der Wittlicher Gerald Gaß, die Krankenhauslandschaft werde in zehn Jahren anders aussehen als heute. „An der einen oder anderen Stelle wird es kleinere Krankenhäuser, so wie sie heute existieren, nicht mehr geben“, erwartet Gaß. Er gehe davon aus, dass einige kleine Kliniken in ambulante Behandlungszentren umgewandelt würden. Wichtig sei, dass sich Verantwortliche vor Ort und im Land anschauen, „wie die aktuelle Versorgungslage ist und wie ein Gesamtkonzept aussehen kann“.

Im Land häufen sich seit Jahren die Krisen kleiner Kliniken: Experten rechnen vor, dass in Rheinland-Pfalz in den vergangenen zehn Jahren 19 Geburtsstationen geschlossen haben. Das Krankenhaus in Neuerburg (Eifelkreis Bitburg-Prüm) wurde 2014 in ein Gesundheitszentrum umgewandelt. In Traben-Trarbach entstand ein lokales Gesundheitszentrum, nachdem die Betten des alten Krankenhauses nach Zell verlagert worden waren. In Zell ging der Betreiber ViaSalus in diesem Jahr in die Insolvenz, 26 Mitarbeiter vom Klinikum Mittelmosel mussten gehen. In Kirn (Landkreis Bad Kreuznach) stand das Krankenhaus wegen Millionen-Verlusten auf der Kippe.

Um kleinen Häusern zu helfen, die Versorgung im ländlichen Raum zu bewahren, will die Politik nun mit „Sicherstellungszuschlägen“ helfen. Von den regionalen Kliniken sollen Bitburg und Prüm ab 2020 jährlich 400 000 Euro vom Bund bekommen. Das Land will dazu eine eigene Verordnung veranlassen, von der regional Wittlich, Hermeskeil und Saarburg profitieren könnten, heißt es vom rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium.

An vielen Standorten, die bei Zuschlägen leer ausgehen, herrscht dagegen Unmut. Insider kritisieren dort ohnehin zu geringe Investitionen in die Krankenhäuser, Ärztemangel und zu hohen bürokratischen Aufwand, der Personal binde. Auch die Bertelsmann-Stiftung hat mit einer Studie den Druck auf kleine Kliniken erhöht. Sie schlug vor, die bundesweite Zahl der Kliniken von 1400 auf weniger als 600 zu senken. Die Versorgung der Patienten könne sich dadurch bessern, weil verbleibende Häuser mehr Personal und eine bessere Ausstattung erhielten. Krankenhäuser und Ärzte warnten, die Studie sei auf ein ländlich geprägtes Bundesland wie Rheinland-Pfalz nicht übertragbar.

In der Region Trier gibt es neun Krankenhäuser, die im vergangenen Jahr mehr als 400 000 Patienten behandelt haben.

Hier finden Sie eine große Grafik zu den Krankenhäusern der Region:  Neun Kliniken behandeln Patienten im Raum Trier, unterscheiden sich aber in der Versorgung. Zwei Häuser verschwanden in den vergangenen Jahren von der Landkarte. Wann ist ein Haus unverzichtbar?

Mehr von Volksfreund