Kleine Tablette, große Bedenken: Frauenärzte sind gegen Rezeptfreiheit der Pille danach

Kleine Tablette, große Bedenken: Frauenärzte sind gegen Rezeptfreiheit der Pille danach

Ein Expertengremium sowie SPD und Grüne sind dafür: Die Pille danach sollen Frauen künftig ohne Rezept erhalten können. Die Frauenärzte sind gegen die Pläne. Auch der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Alexander Schweitzer ist nicht vorbehaltlos dafür.

Alexander Schweitzer hat Bauchschmerzen bei dem Gedanken daran, dass seine Parteifreunde mehrheitlich für die rezeptfreie Abgabe der Pille danach sind. Er beuge sich dem gemeinsamen Votum, aber warnt davor, sie als "Nachverhütungsmittel" leichtfertig von der Rezeptpflicht zu befreien, sagt der sozialdemokratische Gesundheitsminister aus Rheinland-Pfalz.

Bereits im November hatte der Bundesrat mit den Stimmen von SPD und Grünen für die Rezeptfreiheit gestimmt. Rheinland-Pfalz hat dort mit Bauchgrimmen mitgestimmt. Danach soll das Medikament in Apotheken frei verkäuflich sein. Wie in fast allen EU-Ländern. Außer in Deutschland gilt die Rezeptpflicht für die Pille danach nur noch in Italien und Polen.

Nun hat der Expertenausschuss für Verschreibungspflicht, ein 22-köpfiges Beratergremium aus Wissenschaftlern, der Bundesregierung empfohlen, die Rezeptpflicht für die Pille danach abzuschaffen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) muss nun entscheiden, ob er der Empfehlung der Experten folgt. Eher unwahrscheinlich. Denn die CDU ist gegen die Rezeptfreiheit. "Die Pille danach ist kein Bonbon, sondern ein Medikament mit Nebenwirkungen. Ohne Rezept darf es sie nicht geben", sagt die stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Marlies Kohnle-Gros.
Auch die Frauenärzte wehren sich.
"Kein Mensch kann uns erklären, dass ein Apotheker nachts durch sein Fensterchen eine Beratung einfühlsam, kompetent und dem Arztgeheimnis verpflichtend durchführen kann", sagt Werner Harlfinger, Vorsitzender des Landesverbandes der Frauenärzte. Fachkenntnis, "die nur wir Frauenärzte besitzen", führe dazu, dass viele Frauen auf die Einnahme der "nicht harmlosen Pille danach" verzichten könnten. "Nur Ärzte können entscheiden, welche Methode die beste ist, und ob überhaupt eine Notfallverhütung notwendig ist." In mehr als der Hälfte der "Notfälle" könne eine Frau gar nicht schwanger werden.
Das wiederum bringt die Apotheker auf die Palme. "Wir können beraten, das ist unsere Aufgabe, das machen wir tagtäglich auch bei anderen Medikamenten", sagt Annkathrin Fischer, Sprecherin des rheinland-pfälzischen Apothekerverbandes. Es sei nun mal so, dass die allermeisten Frauen nachts die Pille danach verlangten. Da hätten die Arztpraxen zu. Aber gerade Vergewaltigungsopfer wollten schnelle Hilfe und nicht erst bis zum nächsten, oft weit entfernten Krankenhaus fahren.

Das sieht auch Gesundheitsminister Schweitzer so. Meistens handele sich bei den Fällen ja um Notfallsituationen. Und diese schnelle Hilfe könnten die Apotheken mit ihrem Bereitschaftsdienst leisten, sagt Fischer. "Natürlich muss sichergestellt sein, dass die Frauen über die Wirkung und Nebenwirkung des Medikaments aufgeklärt werden." Dafür seien die Apotheker ausgebildet. Schweitzer hätte eigentlich am liebsten eine Beratungspflicht. Die dürfte allerdings schwer durchzusetzen sein, weil eben schwierig nachzuweisen.

Und was sagt die katholische Kirche? Schließlich war sie es, die vor einem Jahr eine Diskussion über die Pille danach ins Rollen brachte. Eine junge Frau, die vergewaltigt wurde, ist in zwei katholischen Krankenhäusern in Köln abgewiesen worden, als sie die Pille haben wollte. Das Bistum Trier äußert sich nicht zu den Plänen für eine rezeptfreie Pille danach. Stattdessen verweist man auf die Ergebnisse der Bischofskonferenz vor einem Jahr in Trier. Die Bischöfe waren sich einig, dass die Pille danach, "insofern sie eine verhütende" und nicht abtreibende Wirkung hat, in katholischen Krankenhäusern verabreicht werden darf.Extra

In Luxemburg ist die Pille danach rezeptfrei - wie fast überall in Europa. Und wie es auch die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Frauenärzte weisen darauf hin, dass das Medikament keine Abtreibungspille ist. Sie verhindere, dass eine Befruchtung der Eizelle stattfinde. Die Abtreibungspille gebe es auch, sie dürfe aber nur von dafür zugelassenen Ärzten verabreicht werden. Mit ihr würden bereits bestehende Schwangerschaften abgebrochen. wie