Klimaerwärmung erhöht Seuchengefahr

Klimaerwärmung erhöht Seuchengefahr

BITBURG-PRÜM. Blauzungenkrankheit? Auch Landwirte haben in den vergangenen Tagen zum ersten Mal von der Tierseuche gehört. Der TV beantwortet die wichtigsten Fragen zu der bislang in Deutschland noch nicht aufgetretenen Krankheit.

Welche Tiere sind betroffen? Das Blauzungen-Virus kann sich bei allen Wiederkäuern einnisten. Betroffen sind vor allem Schafe, Rinder und Ziegen. Klinische Symptome zeigen hauptsächlich Schafe. In den Tieren kann sich das Blauzungen-Virus vermehren und ist oft über Monate im Blut nachweisbar. Sie können das Virus in der Zeit weitergeben, wenn sie von einer Culicoides-Mücke (siehe unten) gestochen werden. Infizierte Rinder erkranken in der Regel nicht - tun sie es trotzdem, dann ähneln die Symptome denen der Maul- und Klauenseuche. Da sie nicht krank werden, bleibt eine Infektion oft unbemerkt. Ob Reh, Rothirsch und ähnliche Wildwiederkäuer anfällig sind, ist bisher nicht bekannt. Ist die Krankheit für den Menschen gefährlich? Der Erreger der Blauzungenkrankheit ist für Menschen nicht gefährlich. Fleisch und Milchprodukte können ohne Bedenken konsumiert werden. Wie wird die Krankheit übertragen? Blutsaugende Insekten nehmen das Virus auf und können es nach etwa einer Woche auf ein anderes Säugetier übertragen. In den meisten Fällen wird das Virus von ein bis drei Millimeter großen Mücken der Gattung Culicoides übertragen. Die Zahl, in der die Culicoides-Mücken auftreten, hängt stark von der jahreszeitlichen Durchschnittstemperatur ab. Die Mücken brauchen für ihre Entwicklung längere Wärmeperioden. Sie leben bis zu 20 Tage und können sehr leicht durch den Wind verfrachtet werden. Wie erkennt man die Krankheit? In der Regel werden nur Schafe krank. Bei Rindern und Ziegen verläuft die Infektion meist still - also ohne sichtbare Krankheitszeichen. Sieben bis acht Tage nach der Infektion treten bei den Schafen erhöhte Körpertemperatur auf, sie werden apathisch und sondern sich ab. Kurz nach dem Anstieg der Körpertemperatur erscheinen die Mundschleimhäute gerötet und schwellen an. Die Schafe speicheln sehr stark und haben Schaum vor dem Maul. Die Zunge schwillt an und wird blau (Blauzungenkrankheit) und kann manchmal aus dem Maul hängen. Die Tiere können lahm gehen. Bei tragenden Schafe besteht die Gefahr von Fehlgeburten. Erkrankte Schafe können acht bis zehn Tage nach der Infektion sterben. Diejenigen, die überleben, erholen sich nach einiger Zeit. Verbreitung der Blauzungenkrankheit Weltweit kommt die Blauzungenkrankheit vor allem in warmen Ländern zwischen dem 35. südlichen und dem 44. nördlichen Breitengrad vor. Die Krankheit ist bereits in vielen Mittelmeer-Ländern ausgebrochen. Zwar ist das Klima im nördlichen Europa für die Vermehrung des Blauzungen-Virus ungünstig. Wenn aber die Temperaturen im Sommer und Herbst lange hoch sind, ist es möglich, dass sich das Virus in Nordeuropa verbreitet. Zudem kann das Blauzungenvirus durch den Wind über große Entfernungen (bis 100 Kilometer) transportiert werden. Bisher ist die Blauzungenkrankheit in Deutschland nicht aufgetreten, aber die Erwärmung des Weltklimas fördert die Ausbreitung in Mitteleuropa. Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, so das Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit, dass in Deutschland vorkommende Mücken die Blauzungenkrankheit übertragen können.

Mehr von Volksfreund