Klimaschutz konkret: Wie drei ältere Herren mit moderner Technik CO2 sparen

Das können nicht nur Mädchen! : TV-Serie Klimaschutz konkret - Wie drei ältere Herren mit moderner Technik CO2 sparen

Drei Männer, ein Ziel, viele Hindernisse: Drei ältere, ungewöhnlich fortschrittliche Herren aus der Region Trier schützen mit moderner Technik das Klima. Und stoßen dabei auf unterschiedlichste Schwierigkeiten.

Klimaschutz. Da denkt man an ein Mädchen mit Zöpfen, an plakatschwenkende Schüler, an eine wütende junge Generation, die nicht zusehen will, wie Ältere ihren Planeten, ihre Zukunft, ihr Leben zerstören. Doch wie das mit Klischees so ist – es geht auch ganz anders.

In der Region Trier sind es überraschend oft Herren im Seniorenalter, die sich den Kopf darüber zerbrechen, wie man dank technischen Fortschritts noch etwas mehr CO2 einsparen könnte – und die sich ärgern, dass Politik oder Industrie nur so träge vom Fleck kommen.

Da wäre Knut Hauschildt aus Trier-Mariahof. Der 77-Jährige ist 2012 nach Deutschland zurückgekehrt, nachdem er 45 Jahre im kanadischen Halifax (Nova Scotia) gelebt hatte.

Die lange Zeit im Ausland hat seinen Blick auf die alte und neue Heimat verändert. „Das Land der Dichter, Denker und Erfinder hat uns enttäuscht“, sagt der Hochfrequenz-Ingenieur, der der Politik vorwirft, nicht die nötigen Rahmenbedingungen für mehr Klimaschutz zu schaffen. Er führt dafür gleich mehrere Beispiele an und fordert eine Änderung des Wohnungseigentumsgesetzes.

So sei er 2012 mit seiner Frau zunächst in ein Mehrfamilienhaus in Sirzenich gezogen. Dieses sei schlecht gedämmt gewesen, also wollte er die Kellerwände isolieren lassen. Wegen des Widerstandes eines anderen Hausbewohners sei nichts daraus geworden. Also kauften die beiden sich 2015 ein Reihenhaus im Höhenstadtteil Mariahof mit dem Ziel, dieses ganz und gar ins 21. Jahrhundert zu versetzen. Die Dämmung war dieses Mal kein Problem. Aber auch nur deshalb nicht, weil die Nachbarn in den unmittelbar angrenzenden Reihenhäusern sich einverstanden erklärten, ihm die Stückchen ihres Grundstücks zu verkaufen, auf die seine Dämmung hinausragt. „Wenn sie dagegen gewesen wären, hätten wir die Wände nicht isolieren dürfen“, sagt Hauschildt, dessen 60er-Jahre-Haus inzwischen nicht nur Effizienzhaus-Standard hat, sondern auch komplett über eine neue Solarthermieanlage beheizt und mit Warmwasser versorgt wird. Selbst das Wasser für die Spülmaschine wird von der Sonne erwärmt. Am Ende seiner Wunschliste ist der 77-Jährige allerdings noch lange nicht angekommen. Denn er hätte in seiner Garage gerne eine Ladestation für E-Bikes und E-Autos. Was so einfach klingt, erweist sich allerdings als unerreichbar. Denn in dieser Garage, die Teil eines großen Garagenhofes in Gemeinschaftsbesitz ist, liegt kein Strom. Und selbst, wenn es gelänge, ein Kabel bis zu den Garagen zu ziehen –  ein Teil der Miteigentümer will gar keinen Strom. Und da endet die Geschichte. Zumindest vorerst.

Hauschildt hat sich also eine kleine Photovoltaikanlage auf dem Garagendach installiert, die es ihm zumindest ermöglicht, das Tor elektrisch zu öffnen. Und er hofft, dass sich Berlin eines Tages bewegt:

Auf Initiative der Länder Bayern, Hessen und Sachsen hin hat der Bundesrat nämlich bereits zwei Mal einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Wohnungseigentumsgesetzes beschlossen und dem Bundestag zur Entscheidung vorgelegt (einmal vor und einmal nach den Neuwahlen des Jahres 2017). Dieser sieht vor, dass es bei „baulichen Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität“ nicht mehr notwendig ist, Miteigentümer um Erlaubnis zu fragen. Auch Mieter sollen vom Vermieter verlangen können, dass dieser dem Bau einer Ladestation zustimmt. Im Januar 2018 – also mitten in der extrem langen und schwierigen Regierungsbildungsphase – teilte die Bundesregierung mit, die neue Regierung werde die Vorschläge prüfen, sobald sie sich formiert habe. Seitdem wurde nach Auskunft des Berliner Bauministeriums eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingerichtet, deren Ergebnisse im Spätsommer vorliegen sollen. Aufbauend darauf soll ein Referentenentwurf erarbeitet werden.

„Jetzt müssen uns die Kinder sagen: Macht mal was!“ Die Klima-Probleme seien so lange bekannt. Und die Politik hinke Jahrzehnte hinterher. „Wenn es Indien wäre oder Mexiko, dann würde man sagen: Das ist halt so. Aber Deutschland! Im 21. Jahrhundert!“, sagt Hauschildt und schüttelt den Kopf.

Peter Müller aus Pluwig war 20 Jahre alt und bei der Bundeswehr, als im Herbst 1973 die Ölkrise zuschlug. Er hatte „Sonntagsfahrverbot“. „Mit meinem ersten Auto!“, sagt er. Ein einschneidendes Erlebnis, das ihm sehr anschaulich die Endlichkeit fossiler Energien vor Augen führte und sein ganzes Leben prägte. Denn fortan war es sein Ziel, unabhängig „von diesen fossilen Energien und deren Spekulanten“ leben zu können.

„Seit 2011 ist dieses Ziel erreicht“, sagt der 67-jährige Diplom-Ingenieur, der in den letzten 25 Jahren seiner Berufstätigkeit als Finanzberater im Außendienst einer Versicherung gearbeitet hat. Denn mit seiner Frau wohnt Müller seit 2011 in einem „komplett emissionsfreien Einfamilienhaus“. Kein Öl, kein Gas und auch kein Stück Holz werde verbrannt. Geheizt wird mit Erdwärme, den Strom produziert eine Photovoltaikanlage und eine kontrollierte Be- und Entlüftung sorgt für optimales Klima in dem Effizienzhaus. 5,3 Tonnen CO2 sparen die Müllers dadurch nun jedes Jahr. Insgesamt also schon mehr als 40 Tonnen. Mit Leidenschaft. Davon zeugen auch die detaillierten Tabellen, mit denen der ehemalige AfD-Politiker – der so rein gar nicht zum Klischee eines Ökos passt – erfasst, wie viele klimaschädliche Gase er dem Planeten erspart. „Jeder sollte das machen. Nicht nur Ökos. Weil es wichtig ist“, findet er. Selbst Rasenmäher, Heckenschere, Motorsäge und Astschneider werden mit dem selbst erzeugten Ökostrom betrieben.

Seit 2014 produziert Müller dank eines Elektroautos auch beim Fahren keine Abgase mehr.  Für die rund 15 000 Kilometer, die er jährlich zurücklegt, tankt er für insgesamt 120 Euro 2750 Kilowattstunden Strom. Das entspricht der Energie von rund 23 Litern Benzin pro Monat.

Sein Fazit: „Diese fünf Jahre waren Pionierarbeit und mit langen Recherchen und Ladeplanungen verbunden“. So schön er es auch findet, klimaschonend zu fahren, ein Fan des klassischen Elektroautos ist er nicht. Nicht nur wegen des umweltschädlichen Abbaus der seltenen Erden, die für die Batterien benötigt werden. Es fehle „die Unbekümmertheit der Mobilität“. Man habe mit Job und Terminen schon genug zu tun, da müsse man sich nicht auch noch um Ladezeiten sorgen. Müller wünscht sich sehr ein Auto mit Brennstoffzelle. Dann könnte er „in vier Minuten volltanken und unbeschwert 600 bis 700 Kilometer fahren“. Allerdings fehlt dazu im Raum Trier die notwendige Wasserstofftankstelle. Ohnehin ärgert sich der Technikfan, dass es beim Wasserstoff nicht vorangeht. Schon seit Jahren wartet ein freier Platz in seinem Keller darauf, dass dort endlich ein Wasserstofftank installiert wird. Ist es doch Müllers Ziel für die nähere Zukunft, den überschüssigen Photovoltaik-Strom im Sommer zu nutzen, um Wasser über ein Elektrolysegerät in seine Bestandteile (Sauerstoff und Wasserstoff) aufzuteilen, diesen Wasserstoff zu speichern, um die gespeicherte Energie dann im Winter, wenn die Anlage wenig Strom produziert, über eine Brennstoffzelle wieder zurückzugewinnen. „Die Sonne stellt die Energie, die wir dazu benötigen, tausendfach umsonst zur Verfügung“. Nur verkauft zu seinem Missmut trotz aller Forschung niemand serienreif und bezahlbar die nötige Haustechnik. Anders als die meisten seiner Mitmenschen verursacht Müller immerhin nur sehr wenige Klimagase, während er wartet, dass Industrie und Politik liefern.

Eines Tages saß Peter Elsen mit einer Bekannten in seinem Büro in Trier-Ruwer, als sie sagte: „Hör mal,  es ist doch warm draußen, wieso läuft die Heizung denn?“ Also ging Elsen nach nebenan in den Heizungsraum um nachzusehen – und damit begann eine lange Geschichte auf deren Happy End der 83-jährige Elektroingenieur noch immer hofft. Doch zurück in den Heizungskeller: Dort stellte Elsen fest, dass die Umwälzpumpe seiner Anlage, die Erdwärme mit Hilfe einer Elektro-Wärmepumpe in Heizungswärme verwandelt, lief, obwohl es draußen 17 Grad Celsius warm war. Weil ihm das komisch vorkam, rief er die Herstellerfirma an, die ihm jedoch mitteilte, das sei bei Temperaturen unter 19 Grad normal. „Da war mir klar, da passiert ein Riesenunfug“, sagt Elsen, der schon immer ein Tüftler war und der sich nun daran machte, die Lauf- und Pausenzeiten seiner Heizung zu optimieren. Zu diesem Zweck entwickelte er eine Schaltlogik am Computer, ließ eine Simulation laufen und ließ das Ganze dann in ein Modul programmieren, das er mit seiner Kesselsteuerung verdrahtete. Was dieses neue Modul dann dort im Detail bewirkte, ist für Nicht-Heizungsexperten schwer zu verstehen, fest steht aber, dass Elsens Stromverbrauch um 22 bis 26 Prozent sank. Dieser Erfolg brachte ihn auf die Idee, seine Erfindung auch auf alte Ölheizungen zu übertragen, von denen es ja immer noch sehr viele gibt und die bei jedem unnötigen Hochfahren nicht nur Strom verbrauchen, sondern auch Öl verbrennen und schädliche Abgase produzieren. Insbesondere in den ersten Minuten, bevor der Brenner richtig heiß wird, sei der Wirkungsgrad schlecht und der Schadstoffausstoß hoch. Also entwickelte der Tüftler, der lange für die Firma Agrob und die Airbase Spangdahlem gearbeitet hatte, ein weiteres Modul für Ölheizungen, damit „die Dinger nicht so oft in der schlechten Phase laufen müssen“. Informationen über seine Erfindung schickte er an mehr als ein Dutzend Heizungsbetriebe, denen er seine Schaltlogik kostenfrei überlassen würde. Doch die zeigten überwiegend kein Interesse. „Die haben ja leider nichts davon. Wer was davon hat, sind die Umwelt und die Hausbesitzer, die weniger Öl brauchen.“ Eine Fachzeitschrift für Haustechnik berichtete. Aus den Staatskanzleien, die er anschrieb, kamen erste Reaktionen. Aber der Durchbruch – nämlich, dass seine Erfindung wirklich genutzt wird, um in vielen Haushalten viel Heizöl zu sparen – blieb zu seinem Bedauern bisher aus.

Dennoch will er im Sinne des Klimaschutzes weiter Energie sparen – und hat deswegen die Glasscheiben seiner alten, zweifach verglasten Fenster austauschen lassen. Ein Tipp, den er auch anderen gibt. Statt teuer und aufwendig die ganzen Kunststoffrahmen zu erneuern, sei nur eine neue, deutlich besser isolierende Glasscheibe eingesetzt worden, deren dritte Scheibe aus einer dünnen Isolierfolie bestehe. „Leiste entfernen, Scheibe raus, neue Scheibe rein, ohne Schmutz, ohne Stemmarbeiten.“ Die Energieeinsparung betrage sofort mehr als 40 Prozent.

„Ich bin stolz, meinen fünf Enkeln erzählen zu können, dass der Opa was für die Umwelt tut“, sagt der 83-Jährige. Die seien da nämlich sehr bewusst.

Knut Hauschildt vor seiner Garage, in der er so gerne Strom hätte. Foto: Katharina de Mos. Foto: TV/Katharina de Mos
Peter Müller lebt in einem Null-Emissionshaus. Zufrieden notiert er, wie viel CO2 alleine die Fotovoltaikanlage einspart. Foto: Katharina de Mos. Foto: TV/Foto: Katharina de Mos
Peter Elsen hat ein Modul erfunden, mit dem Heizungen Strom und Heizöl sparen können. Foto: Peter Elsen/PICOPHOTO

Typisch Jugend halt. Doch stopp. Schluss mit Klischees. Das Klima kann schließlich jeder schützen.

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