Klimawandel: 2019 war erneut ein Jahr der Wetterextreme

Umwelt : Klimawandel: 2019 war erneut ein Jahr der Wetterextreme

2019 fiel es so schwer wie noch nie, den Klimawandel zu ignorieren. Nicht nur, weil die Jugend so lautstark um ihre Zukunft kämpft.

Der Klimawandel ist keine Neuheit des Jahres 2019. Und doch – obwohl schon seit so vielen Jahren bekannt ist, dass die Temperatur steigt, dass Wetterextreme zunehmen und dass das Risiko teurer Umweltschäden steigt – ist der Klimawandel erst im Jahr 2019 mit voller Macht im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit angekommen.

Grund dafür dürften neben den hitzigen politischen Debatten zwei ungewöhnlich heiße und trockene Sommer infolge sein. Mit Hitzewellen, unter denen Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen litten.

Der 25. Juli 2019 geht als bisher heißester Tag in die deutschen Geschichtsbücher ein. Am Trier-Petrisberg wurden erstmals über 40 Grad Celsius gemessen, genauer: 40,6. Der alte Rekord von 2003 lag bei 39 Grad.  Absoluter Spitzenreiter in Deutschland war die DWD-Klimastation in Lingen (Niedersachsen), die 42,6 Grad Celsius verzeichnete.

Neueste Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland seit 1881 um 1,5 Grad erhöht hat. Allein in den letzten fünf Jahren stieg sie um 0,3 Grad. Die Menge der winterlichen Niederschläge hat seitdem um 26 Prozent zugenommen.

Heiße Tage mit über 30 Grad gibt es nun 170 Prozent mehr als im Jahr 1951, die Zahl der Eistage (unter 0 Grad) hingegen hat um 40 Prozent abgenommen. Zwar hat es 2019 in der Region keine so zerstörerischen Starkregen gegeben wie im Vorjahr, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft wieder so viel Wasser in so kurzer zeit vom Himmel fällt, gestiegen: Die Zahl der Tage mit Starkregen hat seit 1951 um sieben Prozent zugenommen. Als gute Nachricht dürften die meisten verbuchen, dass auch die Sonne länger scheint (Sonnenscheindauer: plus sechs Prozent seit 1951, seit 1981 sogar plus 17 Prozent). Die Vegetationsperiode dauert nun locker drei Wochen länger als früher.

All das hat Folgen, die 2019 deutlich zu spüren waren. Nicht nur in heißen Dachgeschosswohnungen oder nach Wasser lechzenden Gärten.

Im rheinland-pfälzischen Wald alleine entstanden 2018 und 2019 Schäden in Höhe von 150 Millionen Euro. Dem Borkenkäfer fielen  insgesamt 3,5 Millionen Fichten zum Opfer. Da die Bäume durch die lange Dürre und Hitze geschwächt waren, konnten sie den Schädlingen nichts mehr entgegensetzen. Im Trierer Forstamt ist die amerikanische Küstentanne flächig abgestorben. Zahlreiche Jungbäume verdorrten. Und selbst manch große Eiche und Buche überlebte die Wetterextreme nur mit Mühe. Förster sprechen vom „Waldsterben 2.0“. Die Lage sei alarmierend. Und der Holzpreis ist wegen der Unmengen an „Käferholz“, die den Markt überschwemmen um mehr als die Hälfte gesunken.

Der Klimawandel führt auch dazu, dass zahlreiche neue Schädlinge im Land Fuß fassen – oder dass solche, die es immer schon gab, sich plötzlich stark vermehren, darunter Borkenkäfer, Zecken und der Eichenprozessionsspinner. Dieser wärmeliebende Falter breitet sich in Rheinland-Pfalz immer weiter aus. Sowohl 2018 als auch 2019 waren die Bedingungen für Eiablage und Raupen optimal, was zu einer Massenvermehrung führte, die für den Menschen ziemlich unangenehm ist.

Sind die Brennhaare der Raupen doch giftig. Bei Mensch und Tier lösen sie heftige al­lergische Reaktionen aus: Hautausschläge, Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut, Husten, Asthma und Bronchitis. Ein vierjähriger Junge aus Wittlich musste mehrere Tage lang ins Krankenhaus, nachdem er beim Spielen mit den Raupen in Kontakt kam. Alleine in der Verbandsgemeinde Konz wurden 2019 außerplanmäßig 60 000 Euro bereitgestellt, um Raupennester zu entfernen oder Gebiete abzusperren.

Ein paar der Klimawandelfolgen sind aber auch positiv: Der Wein war zuletzt von hervorragender Qualität, der Absatz von Sprudelwasser, Eis und Grillwaren brummte, die Freibäder erfreuten sich 2019 guter Umsätze und wärmeliebende Insekten wie die Gottesanbeterin können sich in der Region ausbreiten.