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Koblenzer Gericht verturteilt ehemaligen Bitburger Autohändler

Koblenzer Gericht verturteilt ehemaligen Bitburger Autohändler

Die Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Koblenz hat einen ehemaligen Bitburger Autohändler zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Betrug, Bankrott, Gläubigerbegünstigung, falsche eidesstattliche Erklärung - am Ende räumte der Angeklagte alle Vorwürfe ein.

Bitburg/Koblenz. Über Jahre hinweg drehte der Bitburger Autohändler ein großes Rad: Als einer der größten Toyota-Händler Europas setzte er zu Glanzzeiten 100 Millionen Euro jährlich um, verkaufte mit seinen knapp 300 Mitarbeitern in Koblenz, Bitburg, Wittlich und Prüm mehr als 3500 Neuwagen und 4000 Gebrauchtwagen im Jahr. Vor der Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Koblenz sitzt er nun wie ein Häuflein Elend: Das habe er nie gewollt und sich auch nie vorstellen können.
1977 hatte er als junger Mann mit einem KFZ-Handel im Nebenerwerb angefangen, 1978 übernahm er einen Karosseriebetrieb, und 1979 wurde er Toyota-Partner. Nach Haupt- und Handelsschule ein steiler Aufstieg, der an der Seite des japanischen Autoherstellers immer schneller ging, erklärt der Angeklagte dem Vorsitzenden Richter Winfried Hetger. Von Jahr zu Jahr stiegen die Verkaufszahlen - und offenbar die Probleme.
Laut Staatsanwalt Hartmut Engels hat sich der Unternehmer schon 2003 aus einer Schieflage "herausmanövriert". Der Angeklagte habe seinen Banken ungedeckte Schecks übergeben und von einem Institut zum anderen transferiert. Weil diese auf dem Postweg bis zu sechs Tagen benötigten, verschaffte er sich so einige Tage finanziellen Spielraum. Seine zahlreichen Autohäuser brauchten täglich 300 000 bis 400 000 Euro, damit die hohe Stückzahl an Fahrzeugen umgesetzt werden konnte.
Dieses Geld musste der Autohändler nach eigenen Angaben vorhalten, nachdem Toyota die Zahlungsfristen für Händler von anfangs sechs auf vier und später sogar zwei Tage verkürzt habe.
Nachdem das Scheck-System aber beim Autohersteller aufgeflogen war, musste der Händler sich etwas Neues einfallen lassen. "Sie haben einfach von der Scheck-Reiterei umgesattelt auf eine Lastschriften-Reiterei", wirft ihm Staatsanwalt Engels vor. In diesem Zusammenhang habe sich der Unternehmer dann auch bei der Kapitalerhöhung in den Autohäusern in Koblenz und Bitburg (insgesamt zwei Millionen Euro) strafbar gemacht. Das Geld, das ihm der Autohersteller bereitstellte, sei nicht dem Stammkapital zugeflossen, sondern gleich gegen bereits erhaltene Bonuszahlungen der Toyota-Bank verrechnet worden. Im August 2006 machten die Banken beim Lastschriftenkarussell nicht mehr mit, der Unternehmer musste Insolvenz anmelden.
Das System soll etwa so funktioniert haben: Die Firmengruppe hatte laut Staatsanwalt Konten bei den Sparkassen in Koblenz und Bitburg-Prüm und bei der Raiffeisenbank Östliche Südeifel. Drohte bei einer Bank die Kreditlinie überzogen zu werden, überwies man von einer der anderen Banken Lastschriften, die wie Bares bewertet wurden. Den Lastschriften standen aber in Wirklichkeit keine realen Beträge gegenüber. Nach Ansicht von Rechtsanwalt Andreas Ammer, der den Autohändler vertritt, haben hier die Banken das System nicht nur mitgetragen, sondern teilweise befeuert.
Strafmildernd wirkte sich aus, dass der Angeklagte mit seinem Geständnis einen langwierigen Prozess verkürzt hat, nicht vorbestraft ist und sich nicht bereichern wollte - und dass sein Lebenswerk und seine private Existenz ruiniert sind. "Meine Firmen waren für mich wie meine Familie, es ging nur darum, dass es weitergeht", sagte der Angeklagte unter Tränen.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Revision vor dem Bundesgerichtshof ist möglich.