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Kommentar: Dreyers Zugkraft alleine reicht der SPD nicht

Meinung : Dreyers Zugkraft alleine reicht nicht

Die SPD hat beim Parteitag ein Signal der Geschlossenheit gesetzt. Mit Mann und Maus hinter Malu Dreyer: Das ist die Botschaft der Genossen im Land, die  ein Wochenende ohne Kampfkandidaturen hinter sich brachten, das in die eigene Reihen hinein mobilisieren konnte.

Unspektakulär war die Delegiertenversammlung allerdings in inhaltlicher Hinsicht. Selbst wenn die SPD darauf verweist, ihr Programm zur Landtagswahl erst im Januar vorstellen zu wollen, blieben die von Dreyer aufgezeigten Visionen zu einer Industrie-Zukunftsagenda und Klimaschutz noch zu vage, wenn es ums konkrete inhaltliche Ausgestalten geht.

Das Argument, Regierungspartei und damit täglich in der Corona-Krise gefordert zu sein, zieht alleine nicht. Die Grünen – nun zurecht arg gebeutelt von dem Beförderungsskandal – warben schon im Sommer heftig für ihre Konzepte zu Klimaschutz, während die SPD ihre Papiere noch über den Dezember in der Schublade behält. Damit machen die Sozialdemokraten das, was sie der oft behäbigen CDU im Land gerne vorwerfen.  Deren Spitzenkandidat Baldauf hinkt zwar im direkten Duell mit Dreyer deutlich hinterher, wenn es um Präsenz und Bekanntheit geht.  Die Zugkraft der Triererin wird der Landes-SPD 2021 aber nicht alleine für den Wahlsieg reichen, weil die Krise der Bundes-SPD vergleichsweise viel größer ist als bei der letzten Wahl. Dazu muss die Partei es erst einmal schaffen, ihre Energie von 2016 in die Bevölkerung zu bringen, wenn Haustür-Wahlkämpfe und Marktplatz-Veranstaltungen tabu sind. Gute, neue Ideen zu schaffen, ist ein Schritt, den die Partei bald gehen muss, um zu zeigen, das sie nach 30 Jahren in der Regierung nicht inhaltlich ausgelaugt ist – und sie nicht am Wahlabend des 14. März 2021 eine böse Überraschung erlebt.

f.schlecht@volksfreund.de