Kommentar zu den Bauernprotesten: Das Grundwasser muss geschützt werden!

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Klimawandel, Stickoxide, Nitrat... Umweltthemen haben enorme gesellschaftliche Sprengkraft entwickelt und bei den emotionalen Debatten nehmen viele es mit den Fakten leider nicht mehr so genau.

Fest steht: Deutschland hat ein Nitratproblem. Wasserversorger machen sich ernsthafte Sorgen um den Grundstoff, aus dem sie das wichtigste aller Lebensmittel gewinnen: unser Trinkwasser. In Gebieten, die zu stark belastet sind, muss daher dringend mehr getan werden, um die Nitratkonzentration zu senken. Da kann man nur hoffen, dass die neue Düngeverordnung endlich wirkt.

Fest steht auch: Die Landwirtschaft ist Hauptverursacher der Verunreinigung. Mögen Lobbyisten auch verbreiten, in Wirklichkeit seien Kläranlagen, Friedhöfe, Abwasserkanäle, Industrie oder Messfehler schuld an hohen Werten – und nicht die Bauern – dann mag das im Einzelfall zutreffen. Wissenschaftlich ist es aber unumstritten, dass der größte Teil des Nitrats aus der Landwirtschaft stammt.

Fest steht allerdings leider auch, dass die neuen Regeln viele kleine Betriebe hart treffen – vielleicht sogar ihr Ende bedeuten. In roten Gebieten, die zu stark mit Nitrat belastet sind, müssen sie die Düngung um 20 Prozent reduzieren. Für den Herbst sind Totalverbote geplant. Wer hat schon mal eben so Hunderttausend Euro für einen neuen Gülletank, wenn gleichzeitig das Einkommen einbricht? Das ist hart für die Betroffenen. Es ist aber auch gesellschaftlich nicht wünschenswert, wenn nur Großbetriebe überleben. Oder wenn Lebensmittel noch in viel größerem Maßstab aus Ländern importiert werden, in denen die Umwelt-Standards niedrig sind. Ein Dilemma, das sich wohl am ehesten mit weiteren Agrarsubventionen lösen lässt.

Verständlich ist der Ärger der Bauern, wenn es um die Messnetze geht. Was der Bund da vor ein paar Jahren noch nach Brüssel gemeldet hat, ist ein Witz. Wie sollen 162 Messstellen, die über die ganze Republik verstreuselt liegen, ein realistisches Bild von der Nitratbelastung eines so großen Staates abgeben? Und warum um Himmels Willen hat man sich bewusst schlechter dargestellt als nötig, indem man nur Werte aus belasteten Gebieten meldete? Inzwischen wurde das Messnetz zwar vergrößert. Besonders repräsentativ wirkt es allerdings immer noch nicht. Vor allem nicht im Vergleich mit anderen EU-Staaten, die Tausende Werte nach Brüssel melden. Überhaupt: Warum kann bei den Nitratmessungen jeder machen, was er will? Warum legt die Union keine Standards fest?

Auch die Datengrundlage des Landes lässt zu wünschen übrig. Nur alle paar zig Quadratkilometer gibt es eine Messstelle. Wasserversorger steuern zwar auch Werte bei, doch die werden nicht veröffentlicht. Transparenz sieht anders aus.

Die kommenden Wochen dürften spannend werden – ist es doch nicht einmal sicher, dass die EU die Verschärfung der Düngeregeln ausreichend findet. Mit Strafzahlungen in Höhe von 857 000 Euro – pro Tag! – hat Brüssel gedroht, wenn sich nicht bald was bessert. In der Rolle von Julia Klöckner will man an Tagen wie diesen nicht stecken.

k.demos@volksfreund.de