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Kommentar zum 9-Euro-Ticket: ​Es braucht zwei Lösungen für die Nachfolge​

Bus und Bahn : Es braucht zwei Lösungen für die Nachfolge

Das 9-Euro-Ticket ist ein Riesenerfolg. Bund und Länder müssen deshalb schnell ein Nachfolgemodell finden. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für mehr Klimaschutz und eine echte Mobilitätswende noch viel größere Würfe braucht, kommentiert unser Landeskorrespondent Sebastian Stein.

Dass man sich erst so richtig bewegt, wenn die Krise vor der Tür steht, ist mittlerweile fast zum Normalmodus des Regierens geworden. Das 9-Euro-Ticket war so eine Bewegung - und ein Kompromiss zur Entlastung für die hohen Energiepreise neben dem Tankrabatt. Aber, und das muss man der Ampel-Regierung lassen, der Kompromiss war innovativ. Ein Ticket, günstig, für ganz Deutschland, einfach zu erwerben. Bislang war niemals zuvor ein derart konstruiertes Ticket für den Nahverkehr denkbar gewesen. In Rheinland-Pfalz gibt es nicht einmal ein Semesterticket für Studierende, das über das gesamte Bundesland hinweg Geltung besäße. Der Charme des 9-Euro-Tickets beginnt aber gerade zu verfliegen. Für die befristete Lösung will keiner mehr zahlen. Der Bund schiebt die Verantwortung auf die Länder – und umgekehrt. Aber die Erwartungshaltung in der Bevölkerung hat sich geändert. Was man einmal hat, will man nicht mehr hergeben. Und: Die Bedingungen, ein solches Ticket auf die Beine zu stellen, werden nicht mehr einfacher. Deshalb müssen Bund und Länder jetzt schnell einen Nachfolger finden - beide müssen sich die Sache etwas kosten lassen.

Vor dem Hintergrund des 9-Euro-Ticket-Erfolgs scheinen die Pläne der rheinland-pfälzischen Ampelregierung für ein 365-Euro-Ticket für junge Menschen im Bundesland fast überholt. Höherer Preis, kleinere Zielgruppe, geringerer Geltungsbereich. Das Modell taugt nicht als Nachfolger. Zumal man erst 2024 gegen Ende der Legislatur mit den ersten Projekten beginnen möchte.

Die Nachfolgerfrage ist aber ohnehin nur die kurzfristige Perspektive. Das 9-Euro-Ticket hat gezeigt, wie man Bus- und Bahnfahren attraktiv gestalten kann – preislich. Für eine Mobilitätswende braucht es aber eine nachhaltige Finanzierung des öffentlichen Verkehrs. Denn den Leuten auf dem Land – im Hunsrück, in der Eifel, im Westerwald – hilft auch ein 9-Euro-Ticket kaum, solange der Bus- und Bahnverkehr nicht spürbar ausgebaut wird. Niemand steigt dort auf die Öffentlichen um, nur weil es günstig ist. Es muss auch praktische Vorteile bieten. Und mehr Klimaschutz durch den Nahverkehr geht auch nur mit ganz großen politischen Würfen. Möglichst vor der nächsten Krise.

s.stein@volksfreun.de