Kommt kein Bus, kommt vielleicht ein Bürgerbus

Kommt kein Bus, kommt vielleicht ein Bürgerbus

Anrufsammel- oder Jugendtaxis, Bürger- oder Rufbusse: Das Land testet und bezuschusst verschiedene Modellprojekte, um den Menschen im ländlichen Raum flexible Mobilität zu bieten. Das Angebot soll ausgebaut werden.

Im Zeitalter des demografischen Wandels leiden ländliche Regionen besonders. Hier macht sich der Bevölkerungsschwund etwa dadurch bemerkbar, dass seltener Busse fahren. Denn Busunternehmen verdienen ihr Geld vorwiegend mit dem Transport von Schülern. Wenn deren Zahl sinkt und die Spritpreise steigen, wird das Angebot aus Gründen der Wirtschaftlichkeit zwangsläufig ausgedünnt.
Die rot-grüne Landesregierung hat in ihrer Koalitionsvereinbarung beschlossen, gegenzusteuern. In den vergangenen Jahren sind flexible Instrumente auf- und ausgebaut worden, um Mobilität zu gewährleisten. Mit den Erfolgen ist man zufrieden. "Es läuft ganz gut", resümiert Jutta Blatzheim-Roegler (Grüne).
Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) hält flexible Mobilität für ein "sehr wichtiges Thema". Nach seinen Angaben gibt es landesweit acht Jugendtaxis. Hier werden Jugendliche nachts nach dem Discobesuch zum halben Preis heimgebracht. Die andere Hälfte der Kosten trägt die Kommune. Das Land leistet drei Jahre lang eine Anschubfinanzierung von jeweils 1500 Euro.
Ferner fahren elf Bürgerbusse im Land, einer in Saarburg. Diese Fahrzeuge werden in einem Umkreis von 30 bis 40 Kilometern eingesetzt, bieten bis zu acht Personen Platz und gehören den Gemeinden. Das Land bezuschusst die Kosten. Die Fahrer arbeiten ehrenamtlich. Etwa 50 Bürgerbus-Initiativen seien darüber hinaus kostenfrei beraten worden, sagte Lewentz am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags.
Nach Ansicht des Ministers ist es entscheidend, dass keine Konkurrenzsituation zu normalen Busunternehmen entsteht. Daher führen Bürgerbusse mit einer Stunde zeitlichem Abstand zu Linienbussen. "Wir wollen, dass es konfliktfrei abläuft, und beraten dabei gerne", betont Lewentz.
Das Beratungsprojekt Bürgerbusse soll in Kürze mit einem Bericht abgerundet werden, der die wichtigsten Ergebnisse, Rechtsgrundlagen und Empfehlungen zusammenfasst - und dann im Internet veröffentlicht wird.
Das Land testet nun das Modell von Mobilitätszentralen unter der Regie von Verkehrsunternehmen. In diesem Frühjahr startet ein Projekt in den Verbandsgemeinden Loreley und Nastätten.Extra

Der Bürgerbus-Test in der Verbandsgemeinde Saarburg geht zumindest bis September dieses Jahres weiter. Foto: Friedemann Vetter

Beispiel eins: Verbandsgemeinde Saarburg: Seit November 2011 verbindet der Bürgerbus auf drei Linien das Umland mit dem Mittelzentrum. Vorigen Oktober wurde entschieden, das Projekt bis September 2013 weiterzuführen. Dann soll sich zeigen, wie groß die Akzeptanz ist. Bislang fiel die Bilanz mäßig aus. In den ersten elf Monaten benutzten 400 Fahrgäste den Bus. 920 Euro landeten in der VG-Kasse. Dem standen Kosten von 3600 Euro gegenüber.
Beispiel zwei: Verbandsgemeinde Arzfeld: Seit Herbst 2012 fährt der Bürgerbus in der VG Arzfeld. Das Elektrofahrzeug, ein vom RWE-Konzern mitfinanzierter Fünfsitzer, steht zunächst bis 1. Juni 2015 zur kostenfreien Nutzung für vorwiegend ältere und benachteiligte Menschen bereit. Die VG bietet den Service montags, mittwochs und freitags an und ist damit Pionier in Rheinland-Pfalz.
Beispiel drei: Seniorenbus Traben-Trarbach: Einmal in die Stadt und zurück, bitte! Seit Ende August vorigen Jahres verbindet der Seniorenbus der Doppelstadt an vier Tagen in der Woche Traben-Trarbach mit dem Umland. Von der Idee bis zur Genehmigung der Fahrgelegenheit auf ehrenamtlicher Basis waren wegen eines Rechtsstreits mit der Moselbahn drei Jahre vergangen. red