Konferenz stellt Weichen für Großregion

Die wirtschaftliche Entwicklung der Großregion droht durch einen Verkehrskollaps ausgebremst zu werden. Das Wirtschaftszentrum Luxemburg kann heute kaum noch die Pendlerströme auffangen. Bis 2055 soll sich die Zahl der Grenzgänger sogar auf 300 000 verdoppeln.

Luxemburg. Rund 270 Verkehrsexperten aus Luxemburg, Belgien, Frankreich und Deutschland wollten bei der zweiten Verkehrskonferenz der Großregion gemeinsam mit den politischen Entscheidern aus den Anrainer-Staaten die Weichen für eine abgestimmte Verkehrsentwicklung stellen. Um dem steigenden Strom der Pendler Herr zu werden, soll bis 2010 ein einheitliches Informations- und Tarifsystem im Internet das bisherige Chaos der unterschiedlichen Fahrpläne ablösen, und bis 2015 soll ein einheitlicher Verbund entstehen, um möglichst vielen Grenzgängern das Umsteigen auf Bahn und Bus schmackhaft zu machen. Vor allem der Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Verkehrswesen" des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Großregion (WSAGR), Hans-Hermann Kocks, drängt hier: "Eine wesentliche Voraussetzung zur Verbesserung der Mobilität in der Großregion ist die Steigerung der Attraktivität des ÖPNV." Dabei spielten der internetgestützte grenzüberschreitende Fahrplan ebenso wie der Verkehrsverbund eine zentrale Rolle. Die Verkehrskonferenz in Luxemburg zeigte aber auch, dass die Diskussion über eine abgestimmte Verkehrsinfrastruktur sich bisher größtenteils um die Pendlerströme ins Großherzogtum dreht. Rund 140 000 Grenzgänger - davon 24 000 Menschen aus der Region Trier - arbeiten in Luxemburg. "Es werden Jahr für Jahr 1500 Pendler mehr aus unserem Land", sagte der rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD). Minister Hering sieht aber auch neben dieser Schnittstelle in anderen Bereichen Bedarf: Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und die Anbindung an überregionale Zentren sei notwendig, um Wachstumspotenziale in der Großregion zu nutzen, ebenso wie der zügige Ausbau der Moselschleusen. Mit dem Lückenschluss der A 1, dem Ausbau der B 50 mit dem Hochmoselübergang und dem Ausbau der Moselschleusen sieht Hering Rheinland-Pfalz auf einem guten Weg.Luxemburgs Transportminister Lucien Lux sieht die Verkehrspolitiker in der Pflicht. "Wirtschaftlich und kulturell ist die Region schon auf einem guten Weg, aber was die Verkehrspolitik angeht, haben wir noch viel zu tun." Luxemburger Prognosen gehen davon aus, dass bis 2055 die Zahl der Einpendler auf 300 000 ansteigt. Meinung Chance zum Neuanfang Alle Wege führen nach Luxemburg: Wenn Verkehrs-Experten aus der Großregion Konzepte besprechen, dreht sich alles um ein Problem: Wie können die Pendlerströme nach Luxemburg besser kanalisiert werden? Ein Ausbau des grenzüberschreitenden ÖPNV ist hier der einzige Ausweg vor dem Kollaps. Doch bisher fließen Verkehrs-Investitionen fast nur in den Straßenausbau und den Individualverkehr. In der Großregion will und muss man nun umdenken - eine gute Chance auch für die "Teilregionen", ihre ÖPNV-Angebote zu überdenken. h.waschbuesch@volksfreund.de Extra Die Großregion Luxemburg: Vier Staaten treffen in der Großregion aufeinander: Luxemburg, Deutschland, Belgien und Frankreich. Gut elf Millionen Menschen leben in dem immer stärker vernetzten Raum zwischen Rhein, Maas, Mosel und Saar, der sich auf einer Fläche von 65 400 Quadratkilometern erstreckt. Rund 140 000 Berufspendler überschreiten in der Großregion täglich Grenzen. Der Raum, den der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker als "einzig wirkliche europäische Kernregion" bezeichnet, wächst seit Anfang der 80er Jahre enger zusammen. Die Einwohner sind unterschiedlich stark auf die Einzelregionen verteilt. Die höchste Bevölkerungsdichte hat das Saarland mit 408 Einwohnern je Quadratkilometer, am niedrigsten ist sie in Lothringen mit 98 Einwohnern. Info: www.granderegion.net