Konkurrenz am Tower

MAINZ. Aufwind für den Flughafen Zweibrücken: Der Pfalz-Airport hat nach Informationen des TV einen Vertrag mit dem Billigflieger Germanwings für zwei tägliche Flugverbindungen nach Berlin abgeschlossen. Doch die Konkurrenz-Linie zu Saarbrücken könnte für Verdruss bei Kooperationsgesprächen beider Flughäfen sorgen.

Nach jahrelangen vergeblichen Anläufen und millionenschwerer Unterstützung durch das Land steht der Flughafen Zweibrücken vor einem entscheidenden Schritt zur Ausweitung des Flugbetriebs. Am Freitag soll der nach TV-Informationen bereits besiegelte Vertrag mit der zum Lufthansa-Konzern gehörenden Germanwings über tägliche Flüge ab Herbst von der Pfalz nach Berlin-Schönefeld präsentiert werden. Das Mainzer Wirtschaftsministerium wollte diese Informationen weder bestätigen noch dementieren. Die Verhandlungen mit Germanwings sorgen seit Längerem für Irritationen im Saarbrücker Wirtschaftsministerium. Von Saarbrücken aus fliegt Cirrus-Airlines nach Berlin und hat bereits mit Abzug gedroht, sollte in der Nachbarschaft eine Konkurrenz in die Hauptstadt fliegen. Das Engagement von Germanwings droht zur Belastung für die Gespräche zwischen Mainz und Saarbrücken über eine seit Jahren diskutierte Kooperation der benachbarten defizitär arbeitenden Flughäfen zu werden. "Solange wir keine gesicherte Erkenntnis haben, werden wir uns auch nicht äußern", sagte der Sprecher des Saar-Wirtschaftsministeriums, Holger Schmitt, auf Anfrage. Die jüngsten Gespräche über eine Kooperation beider Flughäfen sind nach seinen Angaben zwar konstruktiv verlaufen. Grundlage dafür ist jedoch laut Schmitt, dass jeder Flughafen bei seiner Kernkompetenz bleibt. Dies heißt konkret: Saarbrücken soll sich weiter auf Kurzstrecken-Linien konzentrieren, Zweibrücken auf Mittel- und Langstrecken sowie Fracht. Saarbrücken habe sich für Cirrus stark gemacht und ein großes Interesse daran, dass die Fluglinie im Saarland bleibe. Schmitt: "Man sollte nicht gegenseitig in den Garten gehen." Im Mainzer Wirtschaftsministerium weiß man, dass ein Germanwings-Engagement in Zweibrücken ein heikler Punkt ist. Doch sei jeder Flughafen als eigene wirtschaftliche Einheit zu betrachten, die im Zweifelsfall auch in Konkurrenz um Auslastung kämpft. Für den Aufsichtsratsvorsitzenden des Flughafens Zweibrücken, Wirtschafts-Staatssekretär Carsten Kühl, zeigen die Verhandlungen mit Germanwings, dass Mainz und Saarbrücken rasch zusammenkommen müssen, um Möglichkeiten einer Kooperation zu klären. Gerade eine Aufgabenteilung war in den letzten Jahren allerdings stets umstritten, weil Mainz den Willen zu einem fairen Ausgleich in Saarbrücken vermisste. Ein Gespräch auf Ministerebene soll es in der nächsten Woche geben.

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