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Konkurrenz macht Luxair zu schaffen

Konkurrenz macht Luxair zu schaffen

Bei Luxair rechnet man für 2016 mit einem schwierigen Jahr. Vor allem wegen der zunehmenden Konkurrenz in Luxemburg. Aber auch wegen der Unabwägbarkeiten durch die Terrorgefahr beim Reisegeschäft. Die luxemburgische Fluggesellschaft legte gestern ihre Bilanz für 2015 vor.

Luxemburg. 2015 sei ein "ganz anständiges Jahr" gewesen, sagt Paul Helmiger. Der 75-Jährige war langjähriger Bürgermeister der Stadt Luxemburg und ist nun Verwaltungsratschef von Luxair. Und in dieser Funktion kann er mit der Bilanz, die gestern Morgen im Kulturhaus Niederanven vor den Toren der Hauptstadt des Großherzogtums vorgestellt worden ist, nicht zufrieden sein.
Zwar steht unter dem Strich mit 9,7 Millionen Euro exakt das Gesamtergebnis, das die Gruppe auch schon 2014 eingefahren hat. Mit dem Ausstieg von Lufthansa - die deutsche Fluggesellschaft hielt 13 Prozent Anteile an Luxair - im vergangenen November sei aus dem einstmals strategischen Partner der Luxemburger ein Konkurrent geworden. Lufthansa fliegt vier Mal täglich von Luxemburg aus nach Frankfurt. Luxair hat daraufhin diese Verbindung komplett aufgegeben. 140 000 Passagiere habe das gekostet, sagt Luxair-Chef Adrien Ney.
Insgesamt hat Luxair im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Passagiere transportiert, rund 100 000 mehr als 2014. Negativ in der Bilanz macht sich der Unfall einer Luxair-Maschine im vergangenen Jahr auf dem Saarbrücker Flughafen bemerkbar. Die Propellermaschine, die durch einen Pilotenfehler beim Abheben auf die Startbahn gekracht ist, musste ausgemustert werden. Abzüglich der von der Versicherung übernommenen Schadensregulierung bedeutet der Unfall einen Verlust von 1,1 Millionen Euro.
Zusätzlich haben die Terroranschläge im vergangenen Jahr vor allem in Tunesien und der Türkei dem Reiseveranstalter LuxairTours das Geschäft vermiest. Beide Länder samt Ägypten seien fast komplett weggebrochen, sagt LuxairTours-Chef Alberto Kunkel. Und das macht sich im Ergebnis des Reiseveranstalters bemerkbar. Statt 10,1 Millionen Euro in 2014 hat LuxairTours im vergangenen Jahr nur 3,9 Millionen Euro verdient. Und das trotz leicht gestiegener Passagierzahl.
Viel ist an diesem Morgen von Konkurrenz die Rede. Von bereits vorhandener auf dem Luxemburger Flughafen und von kommender. Und damit ist nicht nur die irische Fluggesellschaft Ryanair gemeint, die ab September vom Findel aus nach London und Porto fliegt (der TV berichtete).
Auch im Bereich Passagierabfertigung bekommt Luxair ab Herbst Konkurrenz. Bislang sind die Luxemburger als einzige Gesellschaft dafür am Findel zuständig. 3,5 Millionen Euro hat das, zusammen mit den Einnahmen aus den Flughafen-Shops und dem Catering, eingebracht. Künftig wird mit Aviapartner ein weiterer Abfertiger auf dem Findel tätig sein und sich vor allem um die Ryanair-Kunden kümmern. Noch reagiert Luxair gelassen auch auf die Konkurrenz der Iren. Mit 45 Prozent Marktanteil auf dem Findel sind die Luxemburger immer noch die Platzhirsche dort. Ney rechnet mit weiteren, auch eher unbekannteren Konkurrenten in den nächsten Jahren.
Man habe bereits 2006 mit dem Umbau der Fluggesellschaft begonnen und auf den damals bereits absehbaren zunehmenden Wettbewerb reagiert, sagt der Luxair-Chef. Ohne diesen Umbau, der auch Opfer von den Mitarbeitern verlangt habe, "wären wir als Airline heute tot". Trotzdem werde das laufende Jahr ein schwieriges Jahr für die Luxair-Gruppe. Ney macht jedoch deutlich, dass man sich nicht auf einen Preiskampf mit den sogenannten Billig-Fluggesellschaften einlassen will. Luxair werde weiterhin Komplettpreise anbieten, in denen alle Gebühren auch für das gesamte Gepäck enthalten seien.
Gleichzeitig bastelt die Fluggesellschaft an einer neuen Tarifstruktur. Die bisherigen Frühbucher-Tickets namens Primo werden künftig durch den Classic-Tarif ersetzt. Anders als die bisherigen Billig-Tickets gilt dieser künftig bis kurz vor Abflug, ist dann aber teurer als etwa Monate zuvor.