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Kontrollen sind gegen Fehlverhalten wirkungslos

Kontrollen sind gegen Fehlverhalten wirkungslos

Einmal im Jahr werden Pflegeheime überprüft, sowohl vom Medizinischen Dienst als auch von der Heimaufsicht. Trotzdem können diese Kontrollen nicht verhindern, dass es gravierende Missstände in den Einrichtungen gibt.

Trier. Wer wissen will, wie ein Pflegeheim bewertet wird, kann sich im Internet ein Bild davon machen. Auf der Seite des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) werden die Prüfberichte aller im Auftrag der Pflegekassen kontrollierten Heime veröffentlicht ( http://www.mdk-rlp.de/ ). Doch was sagen die dort vergebenen Pflegenoten über die tatsächliche Qualität aus? So vergab der saarländische MDK für das in die Schlagzeilen geratene Pflegeheim im saarländischen Elversberg bei einer Prüfung im vergangenen Jahr die Gesamtnote 1. Zwei Altenpfleger sollen dort zwölf Bewohner gequält haben, zwei von ihnen sollen an den Folgen gestorben sein.
Die Prüfberichte des MDK und die veröffentlichten Noten gäben einen Hinweis auf die "allgemeine qualitative Situation in einem Pflegeheim", erklärt Ursula Weibler-Villalobos, ärztliche Leiterin des MDK Rheinland-Pfalz. Sie kritisiert, dass nur ein Teil des gesamten Prüfberichtes im Internet veröffentlicht werden darf. Die Lobby der Pflegeeinrichtungen hatte das durchgesetzt, nach- dem der Pflege-Tüv 2009 gestartet war. Veröffentlicht werden dürfe nur eine Reduzierung der Informationen auf "wenige daraus zu errechnende Noten", so die ärztliche Leiterin des MDK. "Damit ist ein erheblicher Informationsverlust verbunden." Einzelne Details der Prüfung blieben der Öffentlichkeit damit vorenthalten, kritisiert Weibler-Villalobos. Bei den unangemeldeten Prüfungen durch mindestens zwei MDK-Mitarbeiter in den Heimen werde der pflegerische Zustand der Heimbewohner stichprobenartig untersucht. Zwischen fünf und 15 Bewohner würden dafür per Zufall ermittelt. "Aber auch bei einer Prüfung aller dort versorgten Bewohner könne kriminelles Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter der Einrichtung nicht mit Sicherheit festgestellt werden", macht die Expertin deutlich.
Bewohner bewerten positiver


Wer sich die Prüfberichte anschaut, stellt fest, dass die Beurteilung der Bewohner der eigenen Einrichtung zumeist insgesamt besser ausfällt als die Einschätzung der Kontrolleure. Laut Weibler-Villalobos neigten ältere Menschen eher zu einer positiven Bewertung ihrer Lebensumstände, "die mit den tatsächlichen Gegebenheiten nicht immer übereinstimmt." "Deshalb sollten alleinige Befragungsergebnisse von Pflegeheimbewohnern immer kritisch hinsichtlich ihrer Aussagekraft hinterfragt werden", sagt die Medizinerin.
Nach den Vorgaben des Pflegeversicherungsgesetzes sollen alle Pflegeeinrichtungen einmal jährlich geprüft werden. Hinzu kommen noch regelmäßige Prüfungen des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung, der sogenannten Heimaufsicht. Wie vom MDK wird auch von ihr geprüft, ob Pflegestandards eingehalten werden. Dabei gehe es vor allem darum, ob alle erbrachten Maßnahmen auch entsprechend dokumentiert worden sind, sagt Silvia Kitzinger von der Landesbehörde. Mängel bei den Pflegestandards bedeuteten daher nicht automatisch, dass die Maßnahmen nicht erbracht worden seien. Oft sei eben nur versäumt worden, sie schriftlich und nachvollziehbar festzuhalten.Extra

Steht ein Umzug in ein Pflegeheim bevor, sollte man sich mehrere infrage kommende Heime gründlich anschauen, rät die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Angehörige sollten mit Bewohnern über deren Erfahrungen sprechen und auch den Heimbeirat, der die Interessen der Bewohner vertritt, kontaktieren. Gefragt werden sollte, wie das Wochenprogramm aussieht, ob es Bastelaktivitäten gibt, ob Ausflüge angeboten werden. Auch sollte man sich nach dem Tagesablauf erkundigen, wann etwa die Pflegebedürftigen geweckt werden. Die Verbraucherzentrale rät zu einem Probewohnen. Falls das von dem Heim nicht angeboten wird, sollte wenigstens an einigen Mahlzeiten im Heim teilgenommen werden. Um sich ein Bild von einer Einrichtung zu machen, sollte man auch die vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen veröffentlichten Prüfberichte genau durchlesen. Dabei sollte man sich den Verbraucherschützern zufolge vor allem die Einzelnoten anschauen.wie