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Konzerne wollen Kraftwerke schließen

Konzerne wollen Kraftwerke schließen

Konzerne und Stadtwerke prüfen die Stilllegung zahlreicher Gas- und Kohlekraftwerke, weil diese sich wegen des Ökostrom-Booms nicht mehr rechnen. Da Sonne und Windkraft nicht immer verfügbar sind, kann es zu Engpässen kommen. Eine Expertin rechnet nicht mit Stromausfällen.

Berlin. Von den bundesweit etwa 90 000 Megawatt Erzeugungskapazitäten für Atom- oder Kohlestrom in Deutschland könnten bis zu 20 Prozent wegfallen, zitierte die Süddeutsche Zeitung einen nicht namentlich genannten Konzernvertreter. So hatte das Energie-Unternehmen Eon entschieden, bis 2015 elf Kraftwerke in Europa stillzulegen, mehrere in Deutschland.
Das Problem der Stromproduzenten: Durch den Siegeszug der erneuerbaren Energien, die im Netz Vorrang haben, werden Gas- und Kohlekraftwerke immer weniger gebraucht. Gleichzeitig lässt das wachsende Stromangebot den Börsenpreis sinken. Das macht den Betrieb konventioneller Anlagen unrentabel, obwohl sie Ökostrom-Flauten ausgleichen müssen.
Die Konzerne verlangen deshalb von der Bundesregierung eine Entlohnung für das Bereitstellen herkömmlicher Kapazitäten, was die Stromkosten verteuern könnte. Bislang jedoch erfolglos.
Kommt es deshalb zu Stromausfällen in Deutschland? Die Energie-Expertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert, glaubt das nicht: "Es ist schon bemerkenswert, dass die Stromkonzerne jetzt mit der Abschaltung von Kraftwerken drohen und so die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen." Man sei verpflichtet, die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten.
Die Expertin bezog sich auf Wirtschaftsminister Philipp Rösler, der die Unternehmen dazu zwingt, systemrelevante Anlagen betriebsbereit zu halten. Fachleute kritisieren, dass das starre System innovative Lösungen verhindert.
Offenbar gehe es den Energieunternehmen um weitere Subventionen, sagt die Expertin. "Wenn erneuerbare Energien immer stärker zunehmen, braucht man konventionelle Kraftwerke, die flexibel hoch- und runtergefahren werden können". Das seien in erster Linie Gaskraftwerke, die wegen des Preisverfalls von CO2-Zertifikaten nicht wirtschaftlich seien. Längst nicht alle bestehenden Kraftwerkskapazitäten seien für die Versorgungs- sicherheit nötig. vet