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Krebstherapie in Gefahr?: Apotheker schlagen Alarm - Kassen wollen bei Herstellung von Spezial-Arzneitmitteln sparen

Krebstherapie in Gefahr?: Apotheker schlagen Alarm - Kassen wollen bei Herstellung von Spezial-Arzneitmitteln sparen

Krankenkassen wollen bei der Herstellung von speziellen Krebsmitteln Geld sparen. Künftig sollen nur ausgewählte Apotheken die sogenannten Zytostatika produzieren dürfen. Apotheker aus der Region befürchten, dass die Versorgung der Krebspatienten damit gefährdet sein könnte.

Michael Raber ist alarmiert. Der Trierer Apotheker befürchtet, dass die Versorgung von Krebspatienten in Gefahr ist. Hintergrund sind Verträge von Krankenkassen mit Apotheken zur Herstellung von Arzneimitteln, die für die Chemotherapie (siehe Extra) benötigt werden. Bislang werden die Mittel von ortsnahen freien Apotheken oder Krankenhausapotheken nach Bedarf und für die jeweiligen Patienten individuell hergestellt und an dem Tag der Chemotherapie an die jeweilige Praxis oder das Krankenhaus geliefert. Einige Krankenkassen wollen die Herstellung dieser Zytostatika europaweit ausschreiben. Dann dürfen nur noch die Apotheken, die die Ausschreibung gewonnen und einen Exklusivvertrag mit der Krankenkasse haben die Chemotherapie für die jeweiligen Kassenpatienten herstellen. Dadurch könnten die bestehenden regionalen Versorgungsstrukturen zerstört werden, sagt Raber.

Exklusiv-Verträge

Bislang haben einige AOK, etwa Hessen, Nordost und Rheinland/Hamburg, die Herstellung ausgeschrieben. Ebenso wie die Krankenkasse DAK Gesundheit und die zu der Gesellschaft für Wirtschaftlichkeit und Qualität (GWQ) gehörenden Kassen wie etwa einige Betriebs- und Innungskrankenkassen zum Beispiel die IKK Südwest, die viele Versicherte in Rheinland-Pfalz hat. Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland hat derzeit keine derartigen Verträge. Allerdings, so ein Sprecher der Krankenkasse, habe man "diverse Konzepte im Blick". Man befinde sich dazu "im Austausch mit den Ärzten und Apotheken.

Bei den Verträgen geht es laut GWQ-Sprecher Michael Gewaltig um "Kostenersparnisse für die Versichertengemeinschaft". Apotheker Raber kritisiert, dass offenbar für die Kassen das einzige Kriterium für die Herstellung von Zytostatika der Preis sei.
Der Apothekerverband Rheinland-Pfalz fordert ein Verbot ein Verbot solcher Exklusivverträge. Sie führten "zu einer erheblichen Verschlechterung für die Patienten" und "zu einem Chaos in den Arztpraxen", sagt Verbandssprecher Frank Eickmann. Krebspatienten müssen individuell, aber vor allem auch schnell versorgt werden, damit die Chance erhalten bleibt, in kürzester Zeit auf Veränderungen des Gesundheitszustandes zu reagieren. In anderen Bundesländern ist es wohl bereits zu längeren Wartezeiten bei Chemotherapien gekommen, weil die Mittel nicht rechtzeitig durch die Apotheken geliefert worden sind. In einigen Fällen mussten Patienten wieder nach Hause geschickt werden.
Während der Bund die vom Bundessozialgericht abgesegneten Ausschreibungen unterstützt, haben sich die Ländergesundheitsminister der Länder klar dagegen ausgesprochen. Sie fordern die Bundesregierung auf, zu überprüfen, ob anstelle solcher Exklusivverträge es andere Möglichkeiten gibt, bei den steigenden Kosten für Krebsmedikamente zu sparen.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz will sich vorerst zu dem Streit nicht äußern. Man wolle der Reaktion der Bundesregierung auf den Protest aus den Bundesländern und einer möglichen rechtlichen Klärung nicht vorgreifen, sagt ein KV-Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung.
Georg Simon, Leiter der Apotheke im Trierer Brüder-Krankenhaus befürchtet, dass es durch möglicherweise längere Transportwege der Mittel zu Qualitätsverlusten kommen könnte, weil viele in den Zytostatika enthaltenen Wirkstoffe nur eine kurze Haltbarkeit haben.
"Ein Risikofaktor für den Patienten", sagt Simon.

Extra Chemotherapie

Zytostatika sind Arzneimittel, die in der Krebstherapie eingesetzt werden. Sie können körpereigene Zellen zerstören. Deshalb belasten sie auch den gesunden Körper in besonderer Weise. Je nach Krebsart und Stadium werden neben Operation und Strahlentherapie auch Chemotherapien eingesetzt. Hier werden verschiedene Zytostatika kombiniert und verabreicht. Häufig erfolgt die Chemotherapie ambulant, also ohne stationären Krankenhausaufenthalt. Die Dosierung der Therapie wird jeweils durch eine Blutuntersuchung festgelegt. Danach stellt die jeweilige Apotheke, die über ein steriles Labor verfügen, die Medikamente entsprechend dem aktuellen Krankheitsbild des Patienten frisch her und bringt die Therapie in die Arztpraxis. wie