1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Kriegsende am 8.Mai 1945 in Piesport (Niederemmel-Müstert)

Kriegsende am 8.Mai 1945 in Piesport (Niederemmel-Müstert)

Apollonia Katharina Ertz aus Piesport, 1931 geboren, hat ihrer 11-jährigen Enkelin erzählt, wie sie das Kriegsende an der Mosel erlebte.


Ihre 11-jährige Enkelin Regina schreibt zum Bericht: "Ich finde es sehr erschreckend, wie achtlos die Soldaten mit dem Leben anderer umgegangen sind und ich hoffe, dass sich in Zukunft noch viele Menschen mit der Vergangenheit, beziehungsweise dem Krieg auseinander setzen, damit so etwas nie wieder passiert." Hier die Erinnerungen:

Ich habe mit meiner Mutter und meiner jüngeren Schwester in einem Haus direkt an der Mosel gewohnt. Oben auf der gegenüberliegenden Panoramastraße sind schon die Amerikaner gefahren und hier unten im Dorf waren die deutschen Soldaten. Die Amerikaner haben von oben hier runter geschossen, sobald sie jemanden sahen. Wir haben während des Kriegs bei Nachbarn im Keller geschlafen, weil meine Mutter nicht mit mir und meiner Schwester alleine bleiben wollte während mein Vater als Soldat in Russland war.

In dem Keller der Nachbarn hatten wir Bretter über die Fässer gelegt und darauf geschlafen, weil man nicht in die Zimmer konnte. Wenn die Amerikaner Licht sahen, haben sie darauf geschossen. Sie haben auch mit Flugzeugen die Brücke bombardiert. Kurz vor Kriegsende haben die Deutschen dann die Brücke gesprengt. Am Ende war unser Haus vollkommen zerstört, man konnte vom Erdgeschoss bis in den Himmel gucken durch den offenen Dachstuhl (das Haus hat sieben versetzte Stockwerke).

Kurz vor Kriegsende hat die Gemeinde an der Brücke eine weiße Fahne aufgehängt. Die Amerikaner haben erstmal gewartet, wie die Fahne gemeint war - ob die Fahne von Privatleuten aufgehängt wurde oder von der Gemeinde. Dann hat von hier unten aus dem Dorf niemand mehr geschossen. Wir konnten immer sehen, wenn die Amerikaner mit Jeeps und Panzern oben über die Panoramastraße fuhren. Wir gingen immer nur kurz nach draußen, um im Garten etwas zu holen, weil wir Angst hatten, dass wieder geschossen wurde.

Wir haben im Radio im Nachbarkeller gehört, das Deutschland kapituliert hat und der Krieg vorbei ist. Trotzdem hatten wir noch Angst. Wir wussten nie, schießen die jetzt oder nicht.

Wir waren gerade im Garten, als unten an der Uferstraße mehrere amerikanische Jeeps gefahren kamen. Sie hielten vor der Mauer ganz vorne im Garten an, stiegen aus und haben uns jede Menge Schokolade geschenkt. Wir kannten keine Schokolade, man konnte nichts kaufen und wir hatten auch nicht genug zu essen. Dann sind die Amerikaner ins Dorf gefahren und haben jedes Haus mit Waffen durchsucht. Die Amerikaner waren nicht wie die deutschen Soldaten. Die Amerikaner haben die deutschen Soldaten, die sie gefunden haben, als Kriegsgefangene mitgenommen. Apollonia Katharina Ertz