Kritik am Bistum Trier: Mit dem Bischof über Kreuz

Kritik am Bistum Trier: Mit dem Bischof über Kreuz

Die Kritiker wollen sich mit den Plänen ihrer Kirche nicht abfinden und stellen indirekt sogar die Existenz des Bistums infrage.

Wenn sich Helmut Baltes, Peter Meyer und Johann Thomas in Rage reden, dann kommen schon mal Sätze heraus, die ziemlich gemein klingen dürften. "Braucht man eigentlich für 35 Pfarreien noch ein eigenes Bistum mit eigener Bistumsleitung?", fragt etwa Helmut Baltes, der Mitglied im Prümer Kirchengemeindeverband ist und über die eigene Frage nun selbst ein wenig schmunzeln muss.

Rund um den Trierer Dom dürfte über eine solche Frage niemand schmunzeln - schon gar nicht Bischof Stephan Ackermann und seine neue rechte Hand, Generalvikar Ulrich von Plettenberg. Der Priester und oberste Verwaltungsmann des Bistums hat in den nächsten Wochen die nicht gerade beneidenswerte Aufgabe, die Pläne zum Umgang mit dem Vermögen der vor der Auflösung stehenden Pfarreien den Verwaltungsräten vor Ort vorzustellen und möglichst auch schmackhaft zu machen. Denn der Beschluss wurde von den Leitungsgremien des Bistums schon gefasst, als es offiziell noch hieß, es würde noch über zwei Varianten diskutiert.

Trotzdem spricht das Bistum im Vorfeld der heute startenden Informationsveranstaltungen nur von einer "Vorentscheidung", wohl um zu suggerieren, dass man sich durch gute Argumente von der Basis womöglich noch umstimmen lassen würde. "Die Entscheidung ist doch längst gefallen", sagen die drei Männer, die an diesem Morgen im Prümer Pfarrhaus sitzen und ziemlich sauer darüber sind, dass sie dem Ganzen jetzt nur noch einen demokratischen Anstrich verleihen sollen. "Die Informationsveranstaltungen sind doch reine Alibiveranstaltungen", meint Johann Thomas. "Warum entscheiden 32 Dechanten und man fragt nicht erst einmal die Getauften in den Pfarreien?"

Mit Fragen dieser Art wird Generalvikar von Plettenberg in den nächsten Wochen konfrontiert werden, wenn er mit der bischöflichen Finanzchefin Kirsten Straus in die Gemeinden pilgert. Von dem einen oder anderen Dechanten, der die aufgeheizte Stimmung in Prüm und anderswo in den zurückliegenden Wochen mitbekommen hat, wurde Plettenberg schon vorgewarnt. "Die Trierer müssen sich auf interessante Treffen einstellen", meinte ein Geistlicher im Gespräch mit unserer Zeitung.

Dabei ist der Kirchengemeindeverband Prüm kein Einzelfall. Auch im zwischen Prüm und Trier gelegenen Meckel ist die Stimmung am Boden. Einer der Wortführer ist Helmut Dellwing, der Vizeverwaltungsratsvorsitzende der örtlichen Kirchengemeinde. "Wenn die Reform kommt, haben wir kein Vermögen mehr und nichts mehr zu sagen", fasst Dellwing die Kritik zusammen. Genau wie seine Kollegen in der Nordeifel regt sich auch Dellwing darüber auf, dass "die Entscheidung längst gefallen ist". Das sei ein "Diebstahl an Kirchengemeindevermögen", der einer Entmündigung gleichkomme.

Harsche Worte, deren Inhalt allerdings, glaubt man den Prümer Vertretern, auch in den meisten anderen Eifeler Kirchengemeindeverbänden geteilt wird. In vielen Pfarreien werde es einen Exodus der jetzt noch aktiven Ehrenamtlichen geben, wenn die Bistumspläne in die Tat umgesetzt werden, sagen die Kritiker voraus. Helmut Baltes hat noch eine andere Idee, wenn er an die Reformfreudigkeit der Trierer Bistumsverantwortlichen denkt: "Die könnten ja mal rund um den Dom mit ihren Reformen anfangen. Aber da bleibt natürlich alles beim Alten."

Extra: Wie reich ist eine Kirchengemeinde?
Wie groß das Vermögen einer Kirchengemeinde ist, ist nicht immer einfach zu sagen. Es hängt beispielsweise davon ab, wie viele Immobilien und Grundstücke, Wälderund Ländereien eine Pfarrei hat und was diese wert sind. Da macht es einen Unterschied, ob das Gebäude oder Grundstück in einer Stadt wie Trier liegt, in der Eifel oder auf dem Hunsrück. Experten schätzen, dass eine kleine Kirchengemeinde auf ein Vermögen von 150?000 Euro kommen dürfte. Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Aber längst nicht jede Pfarrei verfügt über schmucke Immobilien, wertvolle Grundstücke und ein gut gefülltes Bankkonto. Einige Kirchengemeinden schreiben schon seit Jahren rote Zahlen und schieben einen Schuldenberg vor sich her. In diesen Pfarreien dürfte die geplante Vermögenszusammenlegung begrüßt werden.

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