Kritik an Parteispitze ist die Ausnahme

Kritik an Parteispitze ist die Ausnahme

Keine Überraschung bei den Vorstandswahlen des FDP-Bezirks Eifel-Hunsrück: Vorsitzende Nicole Morsblech und ihre beiden Stellvertreter Thomas Auler und Edmund Geisen wurden in Wittlich wiedergewählt.

Wittlich. Es hat auch Vorteile, wenn eine Partei eine übersichtliche Mitgliederzahl wie die FDP hat. Da kann der Landesvorsitzende bei einem Bezirksparteitag locker durch die Reihen gehen und jeden der 77 Delegierten persönlich mit Handschlag begrüßen. FDP-Landeschef und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle unterstreicht damit beim Parteitag des Bezirks Eifel-Hunsrück wieder einmal, dass er trotz Aufstiegs in seinen Traumjob nach Berlin nicht abgehoben ist, dass er weiterhin einer von ihnen ist und gut mit der Basis kann. Keine Frage: Brüderle kommt trotz der anhaltenden Kritik an den Liberalen und der schwarz-gelben Bundesregierung an. Auf den Gegenwind, der seiner Partei seit den Bundestagswahlen entgegenweht, ging Brüderle in seiner knapp 30minütigen Rede nur kurz ein, lobte stattdessen die FPD als "Turbo der Koalition". Die Kritik an der Landesregierung ("Der Nürburgring wurde gemanagt im Stil einer Modelleisenbahn.") fiel verhältnismäßig zahm aus.

Deutlicher und weitaus süffisanter ging da schon FDP-Fraktionschef im Landtag, Herbert Mertin, mit dem einstigen Koalitionspartner im Land ins Gericht. Selbst altgediente Parteimitglieder staunten über die ungewohnt kämpferische Rede des ansonsten eher ruhigeren Ex-Ministers. Mit Wortwitz und Ironie zog Mertin über die Landesregierung her und konterte die Kritik von Noch-Regierungssprecher Walter Schumacher an den Auslandsreisen von FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle. Von einem Sprecher einer Regierung, die vor Jahren selbst Schlagzeilen mit der Auswahl von Mitreisenden ins Partnerland Ruanda gemacht habe und die Steuergelder im Nürburgring vergrabe, "lasse ich mir nichts sagen, aber rein gar nichts", wiederholte Mertin immer wieder in seiner kabarettreifen Rede. Mertin riss die Delegierten mit wie kein anderer Redner im Panoramasaal des Hotels Lindenhof und gab damit den Startschuss für den Landtagswahlkampf der FDP. Die Liberalen wollen wieder mitregieren, wie Mertin sagte - ob mit seinem einstigen und vielleicht insgeheim noch immer Lieblingskoalitonspartner SPD, ist nach dieser Generalabrechnung aber eher unwahrscheinlich.

Kein gutes Haar an Schulreform



Die mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigte Bezirksvorsitzende Nicole Morsblech kritisierte in ihrer Rede vor allem die Bildungspolitik der Landesregierung. Die ab kommenden Schuljahr startende Schulbuchausleihe sei genauso wenig ausgegoren, wie die Schulreform. Bessere Bildung bedeuteten die neuen Realschulen plus und Gesamtschulen nicht, sagte Morsblech, die auch bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion ist.

Auch in zwei der insgesamt acht Anträgen, die alle angenommen wurden, ging es um die Schulreform.

Innerparteiliche Kritik gab es bei dem Parteitag allein vom Vorsitzenden der Bernkastel-Wittlicher FDP, Dirk Richter. Er kritisierte die Äußerungen von Westerwelle zu Hartz IV scharf. Richter sagte, er möchte keiner Partei angehören, die die Lufthoheit über die Stammtische hat.

Neben Morsblech wurden auch ihre beiden Stellvertreter, Thomas Auler aus Riesweiler (Rhein-Hunsrück-Kreis) und Edmund Geisen aus Daun, bestätigt. Anders als vor zwei Jahren konnte sich Geisen ohne Kampfkandidatur durchsetzen. Ralf Wilhelmi (Simmern) bleibt Schatzmeister.

Mehr von Volksfreund