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Kritik an Plänen von Bildungsministerin Stefanie Hubig

Bildung : Zu wenig Platz, zu wenig Masken: Lehrer schimpfen aufs Ministerium

Kritik an Schulöffnungen verschärft sich. Verband Bildung und Erziehung sieht Gesundheit von Schülern gefährdet. Land verteidigt Neuanfang in kleinen Schritten.

Alle Schüler sollen bis zu den Sommerferien in ihre Schulen zurückkehren. So lautet das von Bildungsministerin Stefanie Hubig ausgegebene Ziel. Ein Ziel, das Schulen vor immense Herausforderungen stellt und für heftige Kritik sorgt. Der Verband Bildung und Erziehung wirft der Landesregierung in einem offenen Brief vor, die Gesundheit von Schülern und Lehrern „ohne Rücksicht auf Leib und Leben“ zu gefährden. Die Schulbusse seien vielerorts zu voll, auf Maskenpflicht werde dort oft nicht geachtet. Auch beklagt der Verband, dass Lehrern weder Masken noch mit Plexiglas geschützte Bereiche zur Verfügung gestellt würden. „Wir hegen Skepsis, dass der Unterricht bis zu den Sommerferien so stattfinden kann, wie Sie es den Eltern versprochen haben“, schreibt Landesvorsitzender Gerhard Bold an Stefanie Hubig. Und eine Umfrage unter Schulen der Region zeigt, dass diese Skepsis verbreitet ist.

„Das ist eine rein politische Entscheidung“, sagt Andreas Schreiner, kommissarischer Leiter des Saarburger Gymnasiums, der das Vorhaben als Augenwischerei bezeichnet. „Es wird keinen Unterricht am Stück geben.“ Denn dazu reicht an seiner Schule der Platz überhaupt nicht aus, wenn die 1,50 Meter Abstand eingehalten werden sollen. Und auch Personal gibt es nicht genug: 15 bis 20 Prozent der rheinland-pfälzischen Lehrer gehören laut Mainzer Bildungsministerium zur Risikogruppe und bleiben zu Hause. Schreiner geht davon aus, dass die jüngeren Kinder bis zu den Ferien zwei bis drei Mal in der Schule sind. Man brauche sich nicht der Illusion hinzugeben, dass da  Großartiges gelistet werde. Auch Peter Riedel von der IGS Salmtal nennt es „Kokolores“ zu glauben, dass an den paar Tagen, die Schüler vor Ort sind, Lernlücken zu schließen seien. Das Ganze habe eher einen psychologischen Effekt: Schüler dürfen mal wieder an der Realität schnuppern, ihre Lehrer und Freunde wiedersehen.

Große Sorge bereitet Schulleitern die Frage, ob es gelingen kann, alle Hygienemaßnahmen umzusetzen. „Das mit den Abstandsregeln klappt schon bei den älteren Schülern nicht“, sagt Riedel, der sich fragt, wie das gehen soll, wenn  die Kleineren demnächst über den Schulhof flitzen.

Das Ministerium verteidigt die Pläne. Schule sei sehr viel mehr als das Vermitteln von Inhalten. „Es ist ein Ort des sozialen Miteinanders und der Freundschaften“, teilt Pressesprecherin Sabine Schmidt mit.  Die Bindung zur Lehrkraft aber auch das Lernen in einer Gruppe seien für den Lernerfolg mitentscheidend. Man könne in einer Pandemie nicht von heute auf morgen zum regulären Schulbetrieb zurückkehren. Daher gehe man kleine Schritte. „Das sind wir all jenen Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern aber auch den Lehrkräften schuldig, die zu Recht eine Perspektive gefordert haben.“ Lösungen, wie die schrittweise Öffnung aussieht, müssen vor Ort gefunden werden – je nach Gebäude und Personal. Die Schulen erhalten einen Fahrplan, „gleichzeitig bekommen sie den Freiraum, den sie brauchen, um die Öffnung individuell zu gestalten“, heißt es aus Mainz.

Aktuell unterrichten Lehrer die Oberstufen und Abschlussklassen vor Ort. Am 25. Mai und 8. Juni sollen weitere Jahrgänge hinzustoßen.