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Kritik von Krankenkassen-Landeschefin: Zu viele kleine Kliniken (Video)

Kritik von Krankenkassen-Landeschefin: Zu viele kleine Kliniken (Video)

Die Landeschefin der Krankenkasse Barmer will die Zahl der Krankenhäuser reduzieren. Die Häuser sollen sich spezialisieren. Auf dem Land sollen niedergelassene Ärzte eingebunden werden.

Es gibt zu viele kleine Krankenhäuser im Land. Das sagt die Landeschefin der Krankenkasse Barmer, Dunja Kleis. Sie fordert, dass sich Kliniken stärker auf bestimmte Behandlungsschwerpunkte spezialisieren und damit stärker die medizinische Qualität in den Mittelpunkt der Krankenhausplanung rückt. Kleis stützt sich dabei auf ein Gutachten, das die Kassen im vergangenen Jahr vorgelegt haben. Danach gibt es in Rheinland-Pfalz 90 Kliniken an 115 Standorten. Auf eine Million Einwohner kommen nach Berechnung der Gutachter hierzulande 22 Kliniken.

In Baden-Württemberg sind es 20,5 und in Nordrhein-Westfalen 20,2. Viele davon, so heißt es in dem Gutachten, seien kleinere Krankenhausstandorte, "die oftmals nicht eindeutig spezialisiert sind". Dadurch könnten vor allem kleinere Kliniken bei bestimmten medizinischen Eingriffen Mindestmengen oft nicht erreichen und würden Untersuchungen anbieten, für die größere Krankenhäuser besser ausgestattet seien. Die Kassen gehen davon aus, dass je größer die Anzahl der jährlich durchgeführten Behandlungen ist, desto höher die medizinische Qualität des Hauses. Als kleinere Kliniken bezeichnen sie Häuser mit bis zu 150 Betten. Aufgrund der Krankenhausstruktur im Land seien die Behandlungskosten hier deutlich höher als etwa im benachbarten Saarland.

Kleis spricht sich weiter für eine flächendeckende Krankenhausversorgung aus. Eine Grundversorgung müsse auch in ländlichen Regionen gewährleistet sein. Ob diese jedoch ausschließlich von Kliniken angeboten werden müssen, stellt die Barmer-Landeschefin infrage. Stattdessen soll es eine stärkere Verzahnung von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern in der Region geben. Auch ein Ausbau der Telemedizin, also der Kontakt zu Fach- oder Klinikärzten via Internet, könne dazu führen, sogenannte Doppelstrukturen, also Behandlungen, die in zwei benachbarten Kliniken parallel angeboten werden, abzubauen.

Kleis lobt insgesamt die Gesundheitspolitik des Landes. Es gebe auch Schatten. Dazu zählt sie, dass das Land zu wenig in die Kliniken investiert und bei der für das kommende Jahr anstehenden Krankenhausplanung nicht genügend auf medizinische Qualität setze. Statt der vorgesehenen Investition von 120 Millionen für die Kliniken im Land hält sie 300 Millionen Euro für notwendig. Dazu müsse sich der Bund stärker an der Krankenhausfinanzierung beteiligen. Und durch die von den Kassen vorgeschlagenen Strukturreform könne zudem Geld eingespart werden. Die Kassen müssten, so die Forderung von Kleis, ohnehin stärker an der Krankenhausplanung im Land beteiligt werden.

Das zuständige Gesundheitsministerium sieht allerdings dafür keine Notwendigkeit. Die Krankenkassen seien wie andere Akteure des Krankenhauswesens im Rahmen des Ausschusses für Krankenhausplanung an der Planung beteiligt, sagt eine Sprecherin. Auch bisher habe die Qualität der medizinischen Behandlung in den Kliniken bei der Planung eine Rolle gespielt. Und das werde auch im neuen Krankenhausplan so sein.