Kultur-Managerin: Pardon!

TRIER. Der vom TV am Freitag publik gemachte Streit zwischen der Jüdischen Kultusgemeinde und dem Trierer Kulturzentrum "Tuchfabrik" (Tufa) hat hohe Wellen geschlagen. Die wegen Konzertabsagen mächtig in die Kritik geratene Tufa-Geschäftsführerin Gisela Sauer entschuldigte sich gestern schriftlich für ihre Äußerungen. Gleichzeitig wies sie Antisemitismus-Vorwürfe zurück.

Es war kein schöner Tag für die seit drei Jahren amtierende Tufa-Chefin Gisela Sauer und alles andere als ein ruhiger Freitag für Triers Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink. Als der CDU-Politiker gestern morgen bei der Volksfreund-Lektüre von den verbalen Entgleisungen "seiner" Kulturmanagerin erfuhr, platzte Holkenbrink nach eigenen Angaben fast der Kragen. Das eilends anberaumte Gespräch mit Gisela Sauer im Rathaus dürfte für die Trierer Tufa-Geschäftsführerin eines der unangenehmsten in ihrem beruflichen Leben gewesen sein. Das Ergebnis des Levitenlesens stand von vorneherein fest: Die Tufa-Chefin musste sich schriftlich bei der Jüdischen Kultusgemeinde für ihre Äußerungen entschuldigen. Stein des Anstoßes war eine E-Mail Sauers an den Vize-Chef des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden, Daniel Botmann. Darin wurde Botmann aufgefordert, zwei für September und November im Trierer Kulturzentrum fest angesetzte Konzerte mit jüdischen und israelischen Künstlern wieder abzusagen. Wegen "der momentanen Kämpfe in Israel und im Libanon" passten etwa die "synagogalen Gesänge" der Berliner Kantorin Avitall Gerstetter "nicht zu der politischen Lage", hieß es zur Begründung (TV von gestern). Erst nach einem Telefonat Botmanns mit der Tufa-Chefin lenkte Gisela Sauer ein. Trotzdem machten Botmann und der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Trier, Oliver Lauer, die Sache öffentlich und sprachen von einer "bedenklichen Entgleisung der Tufa". Deren Vorstand wies allerdings am Freitagnachmittag jegliche Verantwortung von sich und entschuldigte sich ausdrücklich bei der Jüdischen Kultusgemeinde. "Das war ein Alleingang der Geschäftsführerin", sagte Tufa-Vorsitzender Ralf Kotschka unserer Zeitung. Der Vorstand werde "scheinbar von Frau Sauer nicht so ganz ernst genommen". Auch Triers Kulturdezernent war den ganzen Vormittag über sichtlich bemüht, die Wogen wieder zu glätten. In etlichen Telefonaten entschuldigte sich Holkenbrink bei den Betroffenen und betonte das seit Jahren "sehr gute und vertrauensvolle Verhältnis" zwischen Stadt, Kultusgemeinde und Deutsch-Israelischer Gesellschaft. Am Nachmittag, das Entschuldigungsschreiben der Tufa-Geschäftsführerin war per Fax verteilt, entspannte sich die Lage. Zwischenzeitlich hatte die Berliner Kantorin Avitall Gerstetter sogar damit gedroht, ihr für Mitte September geplantes Tufa-Konzert abzusagen. "Mit der Entschuldigung ist das Thema aber für uns vom Tisch", sagte die Sängerin dem TV. Unisono äußerte sich auch Daniel Botmann: "Wir nehmen die Entschuldigung an."

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