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Kusel-Prozess​: Andreas S. bittet Angehörige um Verständnis für Schüsse

Mordprozess : Andreas S. bittet Angehörige um Verständnis für seine Schüsse: Die langen letzten Worte im Kusel-Prozess

Im Mordprozess von Kusel hat sich der Hauptangeklagte Andreas S. noch einmal geäußert. Er sprach von einem „Hexenprozess“. Seine letzten Worte richtete er an die Angehörigen der getöteten Polizisten.

Bereits um kurz nach sechs Uhr hatten sich die ersten Zuschauer vor dem Gebäude des Landgerichts in Kaiserslautern versammelt. In der Kälte harrten sie stundenlang aus, um am letzten Verhandlungstag vor der Urteilsverkündung zuschauen zu können – und die sogenannten „letzten Worte“ der Angeklagten.

Hat Andreas S. nur eine „Show“ geboten?

Der wegen Mittäterschaft zur Wilderei angeklagte Florian V. hatte bereits im Vorfeld angekündigt, schweigen zu wollen. Andreas S. dagegen äußerte sich. Und wie schon in der gesamten Verhandlung fielen auch die letzten Worte des Hauptangeklagten äußerst ausführlich aus und nahmen mehr als eine Stunde in Anspruch.

Andreas S. reagierte unter anderem auf die von Staatsanwaltschaft und Nebenklage geäußerten Vorwürfen, dass der 39-Jährige eine „Show“ bieten würde und in der Verhandlung mit Gefühlskälte aufgefallen wäre.

Angeklagter spricht von „Hexenprozess“

Er habe mit Seelsorgern und einer Psychologin über die Tat gesprochen, sagte Andreas S. mit leicht brüchiger Stimme. Ansonsten wäre er in seiner Zelle kaputtgegangen. Deshalb sei er nicht gefühlskalt. Vielmehr sei es normal, dass man etwas abstumpfe, wenn man ständig Obduktionsergebnisse lese und Tatortfotos betrachte. Er sei zu Unrecht wegen Mordes angeklagt, sagte der Hauptangeklagte. Auch wehrte er sich gegen den Vorwurf, eine „Show“ abgezogen zu haben, vielmehr habe er versucht, die Ermittlungen zu unterstützen und seine Unschuld zu beweisen.

Dies waren eher spontane Einlassungen auf die zuvor gehaltenen Plädoyers. Dann wechselte Andreas S. zu seinem vorbereiteten Statement. Darin führte er erneut aus, warum er keinen Grund gehabt habe, die Polizistin zu töten und machte zum wiederholten Male seinen ehemaligen Jagdhelfer Florian V. für die ersten Schüsse verantwortlich. Der Prozess gegen ihn habe Assoziationen mit einem „Hexenprozess“. Es gebe einen hohen Erwartungsdruck und eine Vorverurteilung. Immer wieder geht während den Äußerungen von Andreas S. ein leichtes Raunen durch die Zuschauermenge.

Andreas S. spricht zu den Angehörigen der getöteten Polizisten: Schüsse „notwendige Reaktion“

Dann richtete sich Andreas S. an die Angehörigen der beiden getöteten Polizisten. Im Saal sitzt, wie schon an den vergangenen Verhandlungstagen, die Schwester der getöteten Polizistin und bleibt, zumindest äußerlich, auch bei den folgenden Worten von Andreas S. gefasst.

Er möchte sich bei der Familie, bei Freunden und Angehörigen entschuldigen, sagte der Hauptangeklagte. Er habe es vor seinem Gewissen zu verantworten, dass er einem Drogensüchtigen (gemeint ist damit der Nebenangeklagte Florian V.) eine Waffe gegeben habe. Allerdings, sagte Andreas S., seien die Schüsse, die er auf den Polizisten abgegeben hatte, eine notwendige Reaktion gewesen, um sein eigenes Leben zu retten. Er bat die Angehörigen erneut um Entschuldigung und gleichzeitig um Verständnis für sein Handeln.

Um kurz nach 18 Uhr endete die Sitzung vor dem Landgericht Kaiserslautern und die letzten verbliebenen Zuschauer konnten nach Hause. Am 30. November will das Gericht schließlich das Urteil verkünden.