Lamparski fliegt raus

Am Anfang war die Vision von einem internationalen Flughafen. Es folgten Versprechen, Fristen verstrichen, Vertrauen verpuffte. Doch der Projektentwickler Frank Lamparski blieb - in der Flugplatz GmbH und bei seinen Plänen. Jahrelang hielt der Aufsichtsrat zu ihm. Nun hat er Lamparski vor die Türe gesetzt.

Bitburg. Frank Lamparski war der Mann, der es machen sollte. 1,2 Milliarden Euro Investorengeld, sagte er, habe er. Dabei waren doch "nur" 400 Millionen Euro nötig, um den Flugplatz Bitburg in einen internationalen Airport zu verwandeln. Mit schickem Terminal, Flugverbindungen nach Osteuropa und Asien, Millionen Passagieren, grünem Strom, Bahnanbindung, Cargo-Center & Co.
Experten sahen keine Chance


Im Oktober 2009 hatte Michael Billen (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender der Flugplatz GmbH, den bis dahin völlig unbekannten Luxemburger der Öffentlichkeit stolz als den Mann präsentiert, der dem langjährigen Traum vom Fliegen endlich Flügel verleihen würde. Und die Mehrheit der Kommunalpolitiker - allen voran Joachim Streit (FWG), Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, und Bitburgs Bürgermeister Joachim Kandels (CDU) - schlossen sich dieser Sichtweise an, obwohl ausgewiesene Luftfahrt-Experten dem Projekt von Anfang an keine Chance gaben.
Der Aufsichtsrat der GmbH - dem Streit und Kandels ebenso angehören wie Billen - beschloss also Anfang 2010, Lamparski die Anteile der ausgeschiedenen Kreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich und Vulkaneifel zu verkaufen. Und die Politiker setzten alles daran, dass im Juni 2010 auch der Kreistag Bitburg-Prüm und der Stadtrat Bitburg einem Verkauf der verbleibenden kommunalen Anteile zustimmen würden. Ihre Fraktionen standen nahezu geschlossen hinter dem Plan (siehe Extra).
Ein Alternativkonzept hingegen, über das der Volksfreund nur wenige Wochen vor dieser entscheidenden Flugplatzsitzung berichtete, stieß bei den Verantwortlichen auf Ablehnung. Ja, die Veröffentlichung machte sie gar wütend. Fürchteten sie doch, die Stimmung könnte kurz vorm Ziel kippen: Ein Speicherer Unternehmer hatte die Idee präsentiert, auf dem Flugplatz den größten Solarpark der Republik zu errichten. Die Stadtwerke Trier und die Firma Juwi wollten investieren. Zwar fand die Idee Liebhaber - allen voran die Grünen. Doch die Stimmung kippte nicht. Zum Zuge kam Lamparski.
Werften waren für 2012 geplant


Hätten Billen, Streit & Co. recht behalten, dann würden in Bitburg längst Flugzeuge gewartet oder für ihre Reise Richtung Asien beladen. Der ursprüngliche Plan sah nämlich vor, dass es schon 2012 mit dem Werftbetrieb, der Geschäftsfliegerei und dem Frachtflug losgehen sollte. Ab 2013 sollten die ersten Chartermaschinen starten, und bis 2025 wollte Lamparski die 400 Millionen Euro komplett verbaut haben. Dann sollte sein Bit Airport (der im Laufe der Zeit zu Bitburg Airport umgetauft wurde, weil das Wörtchen "bite" auf Französich Penis bedeutet) 2000 Menschen Arbeit bieten.
Die große Geldwäscheprüfung


Was folgte, war Ernüchterung. Bei Streit, der 2011 selbst ein Alternativkonzept forderte, setzte sie recht rasch ein. Denn er ahnte wohl, dass es Lamparski nicht gelingen würde, das versprochene Startkapital in Höhe von 30 Millionen Euro fristgerecht vorzulegen. So kam es dann auch. Als Ursache nannte der Planer eine bankübliche Geldwäscheprüfung, die sich länger hinziehe als gedacht. Experten für Geldwäscheprüfungen erklärten diese Geschichte jedoch für wenig glaubwürdig. Denn Banken dürften Geld gar nicht über Wochen festhalten. Entweder das Geld sei von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, oder es existiere gar nicht. Dennoch entschieden Stadtrat Bitburg und Kreistag Bitburg-Prüm mehrheitlich, ihre Anteile an Lamparski zu verkaufen, falls das Geld bis Ostern 2012 eintreffen sollte. Das war - entgegen Billens Hoffnung - nicht der Fall.
Damit war der Plan für die Mehrheit der Lokalpolitiker endgültig gestorben. Schon im April gab es ein neues Ziel: Bund, Land und die betroffenen Südeifel-Kommunen einigten sich in einer Lenkungsgruppe darauf, das Areal in einen Energie- und Gewerbepark verwandeln zu wollen. Ein erster Schritt in diese Richtung ist kürzlich erfolgt: der Zweckverband Flugplatz Bitburg hat entschieden, eine ursprünglich für Terminal und Parkplätze vorgesehene Fläche neben der Rollbahn mit Hilfe von Bund und Land als Gewerbeflächen zu erschließen (der TV berichtete).
Die GmbH hingegen konnte ohne Lamparskis Zustimmung keine grundlegenden Entscheidungen treffen. Und Lamparski selbst blieb bei seinem Plan und dachte auch gar nicht daran, seine Anteile an der Flugplatz GmbH aufzugeben. Zwar hatte er es zuletzt hauptsächlich mit Firmeninsolvenzen und der Pfändung seiner Autos in die Schlagzeilen geschafft. Doch gab er bei Nachfrage immer noch an, in gut- laufenden Verhandlungen mit asiatischen Investoren zu stehen. Mehr noch: kurz vor der Vertragsunterzeichnung. Nur dass es diesmal sogar um 500 Millionen Euro gehe.
Sollte der Luxemburger tatsächlich bis zuletzt gehofft haben, seine Vision vom Bitburg Airport verwirklichen zu können, so dürfte die neueste Entwicklung ihn hart treffen. Er selbst war nach TV-Informationen wegen seiner Investorensuche nicht dabei, als der Aufsichtsrat entschied, ihm wegen ausstehender Zahlungen seine Flugplatz-Anteile zu entziehen. Wie es für Lamparski weitergeht, ist unklar. Er war nicht zu erreichen.
Mit seinem Ausscheiden wäre der Weg für eine andere Entwicklung nun frei. Allerdings, wenn es nach Michael Billen und seiner GmbH geht, wohl vermutlich doch nicht für einen Energiepark auf der Rollbahn, sondern für den Verkauf an private Unternehmer. An Menschen, die ein Faible für Sportfliegerei haben, die auch bereit sind, Geld dafür auszugeben und die die Infrastruktur erhalten wollen. Menschen, die trotz allem bereit wären, dem gescheiterten Traum vom Fliegen in Bitburg noch eine Chance zu geben.Extra

Abstimmungsverhalten: Der Stadtrat Bitburg und der Kreistag Bitburg-Prüm haben 2010 den Weg für Lamparskis Vision freigegeben: CDU, FWG und Liste Streit standen nahezu geschlossen hinter den Plänen. Die Grünen und die Linke waren dagegen, die übrigen Fraktionen gespalten.Extra

Die Flugplatz GmbH ist Eigentümerin des Towers und verfolgt seit mehr als zehn Jahren das Ziel, den Flughafen auszubauen. Der Eifelkreis Bitburg-Prüm hält 37,89 Prozent und die Stadt Bitburg 16,32 Prozent der GmbH-Anteile. Der luxemburgische Projektentwickler Frank Lamparski hatte 2010 rund 40 Prozent gekauft. Weitere Anteilseigner sind die Adolf Hess GmbH (2,63) sowie die Hermann Köppen KG (2,63 Prozent). scho/kahExtra

Verluste der Kommunen: Der Flugplatz Bitburg arbeitet nicht kostendeckend. Seit der Gründung der GmbH 2002 hat der Eifelkreis einschließlich 2011 rund 400 000 Euro Verlustanteil gezahlt; bei der Stadt Bitburg sind es seit ihrem Einstieg in die GmbH 2008 91 000 Euro. Allein im Jahr 2011 hat die Stadt 15 400 Euro, der Kreis 46 000 Euro für die GmbH-Verluste eingeplant. scho/kah