Land und Lehrer streiten über Unterrichtsausfall

Land und Lehrer streiten über Unterrichtsausfall

Geht es nach der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), gibt es trotz Zuwanderung kaum Unterrichtsausfall an den Schulen im Land. Eltern und Lehrer sehen das anders.

Es gibt Tage, an denen wundert sich Reiner Schladweiler, wenn er vormittags nach Hause kommt. Manchmal sitzt sein Sohn dann auf dem Sofa - und nicht auf der Schulbank. Der Regionalelternsprecher aus Temmels (Kreis Trier-Saarburg) weiß dann: Der Unterricht ist mal wieder ausgefallen.

Geht es nach den Zahlen der Landesregierung, passiert das nur selten. Die strukturelle Versorgung an allgemeinbildenden Schulen liegt bei 98,5 Prozent, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Donnerstag. Das heißt: Von vornherein geplant fallen 1,2 Prozent der Unterrichtsstunden aus. Klingt nach wenig, sagt Schladweiler. Doch in der Statistik seien keine Krankheiten oder Fortbildungen enthalten.

Die Lehrergewerkschaft GEW spricht von "Schönfärberei". Hubig hält dagegen, Pflichtstunden wie in Mathe und Deutsch seien sogar zu 100 Prozent abgedeckt. Die CDU-Fraktion im Landtag kritisiert, auch die individuelle Förderung von Schülern sei Pflicht - und die bleibe auf der Strecke. Die Regierung weise den Schulen immer mehr Aufgaben zu, ohne dies in der Lehrerversorgung zu berücksichtigen.

Eine solche Aufgabe ist die Integration von Flüchtlingskindern. Gerade vor dem Hintergrund sei die Unterrichtsversorgung ein Erfolg, sagt Hubig. Sie liegt auf einem ähnlichen Level wie im vergangenen Jahr (98,6 Prozent). 270 Lehrerstellen hat das Land zusätzlich geschaffen, die Schülerzahlen in Rheinland-Pfalz sinken trotzdem weiter, wenn auch nicht mehr so stark.

Rund 417.300 Schüler besuchen die allgemeinbildenden Schulen. Das sind 200 weniger als im Vorjahr, wo der Rückgang noch bei gut 2700 lag. In der Region Trier gehen 188 Schüler weniger zur Schule. Besonders die Kreise spüren das - die Ausnahme ist Trier-Saarburg, das mit einem Plus von 313 sogar landesweit an der Spitze liegt. Bernkastel-Wittlich (minus 148), Bitburg-Prüm (minus 171) und die Vulkaneifel (minus 192) sind weit abgeschlagen. Kaum Veränderungen gibt es in Trier (plus zehn). Mehr zum Thema

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