Land unter im Hunsrück

MORBACH/HERMESKEIL/ETGERT. In der Grundschule Morbach wird es heute keinen Unterricht geben. Beim gestrigen Unwetter wurden Öltanks weggespült, 3000 Liter Öl stehen nun im Keller der Schule. Rund 90 Keller wurden in dem Hunsrückort ausgepumpt. 27 in Hermeskeil. In Etgert brannte eine Scheune nach einem Blitzeinschlag nieder. Auf den Straßen stand das Wasser zeitweise einen halben Meter hoch.

Kirschkerngroße Hagelkörner und sintflutartiger Regen: Über Morbach (Kreis Bernkastel-Wittlich) entlud sich gestern ein Unwetter, wie es die Menschen dort noch nicht erlebt haben. Um 12.47 Uhr klingelte das Telefon bei der Stützpunktwehr des Hunsrückorts zum ersten Mal. "Da wurden wir zur Nachbarschaftsunterstützung zu einem Brand bei Thalfang gerufen", sagt Rainer Gerhard von der Feuerwehr-Einsatzzentrale Morbach. In Etgert war ein großes Ökonomiegebäude durch einen Blitzschlag in Brand gesetzt worden. 50 Wehrleute aus Morbach, Thalfang, Immert und Deuselbach waren im Einsatz. Es gelang noch, die 20 Stück Rindvieh aus dem Stall zu retten und ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus zu verhindern. Der Stall brannte bis auf die Außenmauern nieder. Die Polizei schätzt, dass sich der Sachschaden in sechsstelliger Höhe bewegt. Während in Etgert noch gelöscht wurde, gingen in der Einsatzzentrale die ersten Anrufe besorgter Privat- und Geschäftsleute, der Polizei sowie der Rettungsleitstelle in Trier ein. Auf der Hunsrückhöhenstraße kam der Verkehr wegen der Wassermassen zwischenzeitlich zum Erliegen. "In diesem Ausmaß haben wir hier noch kein Unwetter gehabt", sagt Einsatzleiter Marco Knöppel. In den Straßen habe das Wasser teils einen halben Meter hoch gestanden, sagt Knöppel, der den Großeinsatz von rund 70 Wehrleuten aus Morbach, Hoxel und Gonzerath koordiniert. Besonders schlimm hat es die Grundschule Morbach getroffen. Durch die Fluten sind Heizöltanks im Keller der Schule umgekippt und rund 3000 Liter Öl ausgelaufen. "Glücklicherweise konnten wir den Kanal noch rechtzeitig dicht machen. Es ist nichts nach draußen gelangt", sagt Knöppel. Doch Unterricht wird es an der Schule heute nicht geben. Das ganze Gebäude riecht nach Öl. "Wir versuchen, die Eltern über einen Rundruf zu informieren, damit sie ihre Kinder morgen zu Hause behalten. Mit denen, die kommen, werden wir wandern gehen. An Unterricht ist hier nicht zu denken", sagt Schulleiterin Frauke Lörsch. "Das Wasser kommt durch die Toiletten geschossen"

Bei der Metzgerei Kneppel stehen fünf Kühlmaschinen unter Wasser. "Was mit den Maschinen ist, kann ich noch nicht sagen. Ich habe direkt alle Anlagen ausgeschaltet. Hoffentlich gings gut", sagt Inhaber Klaus Gauer-Kneppel. Das Schuhhaus Roth wird einige im Keller gelagerte Schuhe wegwerfen müssen. "Das Wasser kam durch die Toiletten geschossen", sagt Inhaber Lothar Roth. Bei Margaretha Blasius, die die Kneipe "Zur Klause" führt, sickert das Wasser sogar durch die Decke. Erst vor kurzem hat sie einen elektronischen Schieber in den Hauptkanal einbauen lassen, der bei entsprechendem Rücklauf schließt. Genutzt hat es nichts. Ihr Keller ist wie auch der der Polizei Morbach und viele weitere geflutet. Hüfthoch steht das Wasser in einigen Kellern. Die Fluten haben sich durch die Kanalisation hochgedrückt. Gulli- und Kanaldeckel wurden rausgedrückt. Am Ende eines langen Tages hatten die Wehrleute in Morbach an die 90 Keller ausgepumpt. Ähnlich in Hermeskeil: Dort waren 70 Wehrleute aus Hermeskeil, Reinsfeld, Gusenburg und Grimburg wegen an die 30 überfluteter Keller im Einsatz. Das Wasser stand teils 20 Zentimeter hoch auf den Straßen. Unfälle hat es nach Angaben der Polizei keine gegeben.

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