Land will den Hahn entschulden

Land will den Hahn entschulden

Wenn alles glatt läuft, nimmt der Flughafen Hahn noch Ende Dezember eine weitere Hürde auf dem Weg zur finanziellen Gesundung. Nach intensiven Gesprächen mit der EU-Kommission scheinen neue Hilfen für den hoch defizitären Hunsrück-Airport möglich, die den Landeshaushalt angeblich nicht zusätzlich belasten sollen.

Hahn/Mainz. Die positive Nachricht verkündeten Finanzminister Carsten Kühl und Hahn-Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro (beide SPD) sowie Flughafen-Geschäftsführer Heinz Rethage bei einem Gespräch im Mainzer Finanzministerium.Wertgutachten für Immobilien


Der anvisierte Weg: Das Land wandelt die Kreditschulden des Flughafens in Eigenkapital um, das es fortan als Hauptgesellschafter in seinen Büchern stehen hat. Der Fliegerhorst, der mit gut 120 Millionen Euro verschuldet ist, könnte auf diese Weise komplett von seinen Altlasten befreit werden. Vorausgesetzt, die EU-Kommission stimmt einer weitgehenden oder kompletten Entschuldung zu. Brüssel hat das letzte Wort.
Zugleich plant das Land, der Flughafengesellschaft alle Liegenschaften, die nicht direkt zum Flugbetrieb gehören, abzukaufen. Dazu zählen Grundstücke, Gebäude und Stellflächen. Der Preis für diesen Grundstücks- und Immobilienbesitz wird per Wertgutachten ermittelt. Mit der Kaufsumme könnte letztlich die Schuldenlast des Flughafens reduziert werden. Entsprechend weniger Darlehen würden in Eigenkapital umgewandelt.
Fakt scheint aber auch: Mit der Umwandlung in Eigenkapital schenkt das Land dem Hahn Millionen Euro. Eine horrende Summe, die nie mehr zurückfließen dürfte. Unklar ist, ob die Hahn-Liegenschaften beim Land verbleiben und vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) verwaltet und entwickelt werden oder ob die Gebäude und Flächen in LBB-Besitz übergehen. Nach Überzeugung von Aufsichtsratschef Barbaro ist der Immobilienbesitz bei dem zuständigen Landesbetrieb in "kompetenten Händen".Seit Jahren rote Zahlen


Der Flughafen Hahn schreibt seit Jahren rote Zahlen. Er gehört zu 82,5 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen. Airport-Geschäftsführer Heinz Rethage sagte, der Flughafen habe wegen der geplanten EU-Regeln für das Auslaufen der Subventionen noch maximal zehn Jahre Zeit, um eine schwarze Null zu schreiben. Er sei davon aber derzeit noch "sehr, sehr weit weg". Die Passagier- und vor allem die Frachtzahlen sind rückläufig.
Der Flughafen-Chef räumte nach einem Bericht der Mainzer Allgemeinen Zeitung ein, dass neu ausgeschriebene Sicherheitsdienstleistungen andere Kosten als früher hätten. Die Leistung sei jedoch erweitert worden, und ein Landesbetrieb schreibe aus. Die Zeitung hatte geschrieben, Insider rechneten mit zwei Millionen Euro Mehrkosten. Der Landtags-Innenausschuss will sich laut CDU damit beschäftigen. DB/dpa

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