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Land will Hotels ins Internet locken

Land will Hotels ins Internet locken

Das Landesprojekt zur elektronischen Vermarktung der heimischen Tourismusregionen und zur Online-Buchung von Hotels steht vor Neuerungen. Die Rheinland-Pfalz-Touristik will die Akzeptanz des Systems bei den Hoteliers steigern.

Mainz/Trier. Über das rheinland-pfälzische Online-Buchungssystem TKN sollen Touristen künftig nicht nur ihr Hotel, sondern komplette Angebotspakete buchen und bewerten können. Das kündigt Dirk Weidemann an, Prokurist der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH und zuständig für das Touristische Kommunikationsnetzwerk (TKN). Für die Gastbetriebe soll die Datenpflege komfortabler werden, vor allem das Aktualisieren der freien Zimmer. Doch zehn Jahre nach der Einführung des halbstaatlichen Systems scheiden sich an ihm noch die Geister.

Kritik: Zu wenig Buchungen



Für die Kritiker kam das mehrere Millionen Euro teure TKN zu spät. Bei den 1999 bereits etablierten Reservierungsportalen wie Hotel Reservation Service (HRS), Hotel.de oder Booking "hätte das Land einfach einsteigen sollen", sagt Hans-Joachim Mehlhorn, Kreischef Koblenz des Hotel- und Gaststättenverbandes HOGA. TKN sei unhandlich und "läuft einfach nicht sauber". Mit zehn bis 15 Prozent Provision pro Buchung sei es zu teuer und bringe zudem nur wenige Buchungen pro Jahr. Die örtlichen Tourismus-Organisationen zahlen für TKN zusammen 110 000 Euro Lizenzgebühr pro Jahr. Sie üben "Druck auf die Beherbergungsbetriebe aus", moniert der Hotelier Dieter Johann, Vorsitzender von "Gastlichkeit und Tourismus Cochem". Wer beim TKN nicht mitmacht, wird nicht auf den Internetplattformen der Rheinland-Pfalz-Touristik beworben - "rechtlich fragwürdig", so Johann.

TKN-Produktmanager Weidemann räumt ein: "Die Einführung ist alles andere als optimal gelaufen." Doch seit fünf Jahren steige die Akzeptanz, abhängig vom Engagement der Touristik-Organisationen: "TKN kann mehr als nur Betten schieben."

Für Ute Patt, Geschäftsführerin der Naheland-Touristik in Kirn, ist TKN "eine Erfolgsnummer" und "ein Portal, wie es eine Region braucht, die sich im Internet präsentieren möchte". Ob der Gast am Ende in Kirn, Bad Kreuznach oder Birkenfeld bucht, sei gleichgültig: "Uns ist wichtig, dass er in der Region bleibt."

Der Ahrkreis belegt nach Angaben von Matthias Greilach, Chef der "Ahr Rhein Eifel Tourismus und Service GmbH", regelmäßig Platz eins oder zwei beim landesweiten Umsatzvergleich. TKN werde von den Tourismusbetrieben "angenommen und genutzt". Allerdings würden nicht alle den Verfügbarkeitskalender für Onlinebuchungen richtig pflegen, bemängelt Greilach.

Kritik an den Vermittlungsgebühren weist Weidemann zurück. Diese seien nicht höher als bei kommerziellen Buchungsportalen und im Übrigen leicht zu umgehen: Mit einer Gratis-Software von TKN kann auf der hoteleigenen Homepage ein Link zur Direktbuchung eingefügt werden, ganz ohne Provision.

Allein das ist für Karolin König-Kunz, Geschäftsführerin des Hotels "Zum weißen Schwanen" in Braubach, "ein tolles Angebot: Was ich dadurch spare, brauche ich nirgendwo anders draufzuschlagen." König-Kunz ist auch bei anderen Portalen gelistet und begrüßt daher eine weitere Neuerung: TKN will bald ein Softwarepaket bereitstellen, damit der Hotelier seine Zimmerverfügbarkeit nur noch über ein einziges Portal eingeben muss. Gegen eine Gebühr werden automatisch alle Buchungssysteme aktualisiert.

Die künftige Online-Buchbarkeit von Pauschalarrangements könnte sogar Mainzer Hotels für TKN erwärmen. "Das können bestehende Systeme in der Form noch nicht", sagt der Geschäftsführer der Touristik Zentrale, Jürgen Schmidt. Auf dem gesättigten Mainzer Markt spielt TKN bisher kaum eine Rolle.

Derzeit sind an das TKN landesweit 3500 Hotels und 4200 Ferienwohnungen angeschlossen. Im vergangenen Jahr wurden 5,6 Millionen Euro Umsatz über TKN hereingeholt, davon 15,1 Prozent über das Internet. Weidemanns Ziel sind zehn Millionen Euro Umsatz und 20 Prozent Internet-Buchungen.