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Land wirft Wirtschaftsprüfer raus und verhandelt mit drei Hahn-Bietern

Land wirft Wirtschaftsprüfer raus und verhandelt mit drei Hahn-Bietern

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat die Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsprüfern der KPMG beendet, die den Verkauf des Flughafens Hahn begleitet haben. Drei Bieter bleiben im Rennen, zwei davon aus China.

Der Verkauf des Flughafens Hahn war die erste große Krise der noch so jungen rheinland-pfälzischen Ampelkoalition. Als der Deal mit dem dubiosen chinesischen Investor SYT geplatzt war, flogen die Giftpfeile hin und her. Die Landesregierung warf dem mit dem Verkauf beauftragten Beratungsunternehmen KPMG grobe Fehler vor. Die Wirtschaftsprüfer konterten in einem Brandbrief, Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) habe Druck gemacht, den Hahn schnell zu verkaufen. Nun endet die Zusammenarbeit beider Seiten. Innenminister Roger Lewentz sagte am Montag, man habe sich auf eine Honorarregelung geeinigt, die dem Land sehr entspreche. Zu der Höhe machte Lewentz keine Angaben. Angedachte Regressansprüche an die KPMG wegen des verpatzten SYT-Geschäfts seien aber "nicht notwendig".

Den Verkauf des Hunsrück-Flughafens soll nun das Unternehmen Warth & Klein leiten, von dem der Wirtschaftsprüfer Martin Jonas bereits eng eingebunden ist. Der Verkauf geht in die heiße Phase. Drei Bieter sind noch im Rennen, mit denen das Land verhandelt, sagte Lewentz. Nach Informationen unserer Zeitung kommen zwei Interessenten aus China. Dazu soll die ADC um den einstigen Wirtschaftsstaatssekretär Siegfried Englert gehören, die auf den milliardenschweren Großkonzern HNA als Geldgeber hofft. Auch eine Investorengruppe um Jonathan Pang, der bereits den Flughafen in Parchim gekauft hat, soll zu den Kandidaten gehören.

Jonas hofft, dass bis Januar ein Kaufvertrag mit einem der Bieter zustande kommt. Der Verkauf gestalte sich aber "schwierig", da der Flughafen rote Zahlen schreibe. Damit dem Hahn nicht das Geld ausgeht, beantragt der Flughafen eine Landeshilfe aus einem Gesellschafterdarlehen. Bis zu 1,5 Millionen Euro sollen im Dezember an den Airport fließen - und im Februar wohl erneut, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Salvatore Barbaro. Die Opposition im Landtag kritisiert die Regierung. CDU-Fraktionsvize Alexander Licht (Brauneberg) sagte, diese mache die KPMG zum "Sündenbock" für ihr eigenes Scheitern.

Hahn zwischen Hoffen und Bangen - Fragen und Antworten
Meinung

Vorläufiges Ende eines Possenspiels

Von Florian Schlecht

Die Landesregierung und die KPMG arbeiten im Verkaufsprozess um den Hahn nicht mehr zusammen. Es ist das vorläufige Ende eines unrühmlichen Possenspiels, das beide Seiten erheblich beschädigt hat. Das Land, weil die Wirtschaftsprüfer mit einem öffentlich gewordenen Schreiben die Glaubwürdigkeit von Landeschefin Malu Dreyer ins Wanken brachten. Die KPMG, weil sie als renommiertes Unternehmen unter dem Verdacht schlampiger Prüfung stand. Das rasante Ende der Geschäftsbeziehung - trotz der Bekundungen, beim Hahn-Verkauf weiter in einem Boot zu sitzen - offenbart tiefsitzende Verstimmungen.

Mag sein, dass beide Seiten den Weg gegangen sind, um einem Rechtsverfahren und so einer öffentlichen Schlammschlacht aus dem Weg zu gehen. Mag aber auch sein, dass das ein Trugschluss ist. Sollte der Hahn-Verkauf platzen, droht ein Untersuchungsausschuss im Landtag. Und dann könnten die Vorwürfe von vorne losgehen.

f.schlecht@volksfreund.de