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Landesregierung: Einschränkung der Hilfe für Jugendliche wäre fatal

Landesregierung: Einschränkung der Hilfe für Jugendliche wäre fatal

Mehrere Bundesländer wollen auch aus Kostengründen die Betreuung von unbegleiteten jungen Flüchtlingen einschränken – Rheinland-Pfalz spielt nicht mit.

Verbesserte Steuerungsmöglichkeiten und weniger Kosten. Das sind die Hauptgründe der fünf Bundesländer, die bei der Jahreskonferenz der Regierungschefs für Einschränkungen bei der Betreuung unbegleiteter junger Flüchtlinge plädiert haben. Grundsätzlich, so die Meinung von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt, sollen die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe auf die Versorgung Minderjähriger konzentriert werden.

Christiane Rohleder, Staatssekretärin im Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, ist strikt gegen eine solche Einschränkung:. "Wenn die Kinder- und Jugendhilfe an dieser Stelle ihre Unterstützung zurückfährt, würde dies die Integration erheblich erschweren und im schlimmsten Fall zum Scheitern führen."

Im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund bewertet Rohleder die Initiative auch volkswirtschaftlich kurzsichtig, "Der Forderung scheint der Gedanke zugrunde zu liegen, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge selbstständig sind, sich eigen-ständig integrieren können und keinerlei Unterstützung brauchen. Die auf der Flucht erworbene Überlebensselbstständigkeit wird mit der Selbstständigkeit und Selbstorganisation verwechselt, die in Deutschland notwendig ist." Die Landesregierung lehne deshalb die Forderungen ab.

Triers Sozialdezernentin Angelika Birk kennt die Diskussion um die Kosten für junge Erwachsene nach eigener Aussage seit 1996, als sie Frauenministerin in Schleswig-Holstein war. "Ich hoffe, dass die Regelungen so bleiben. Denn diese jungen Menschen zu betreuen, ist ein sehr hohes Gut."

Auch Carsten Lang, Leiter des zukünftigen Schwerpunktjugendamtes Trier, hat im Umgang mit den jungen Flüchtlingen Erfahrung. Er war in der Jugendhilfeeinrichtung Don Bosco Helenenberg (Kreis Trier-Saarburg) für diese Personengruppe zuständig. "Die jungen Leute sind mit der intensiven Betreuung zunächst privilegiert. Aber alles wäre umsonst, wenn belastete Flüchtlinge frühzeitig auf eigenen Füßen stehen müssten."

Er teilt damit die Einschätzung des Bundesfachverbands unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF). Der hat die Bundesregierung aufgefordert, zu ihrer Verantwortung zu stehen. "Dass Kinder und Jugendliche, die oft Gewalt erleben mussten und alleine vor Krieg, Not und Verfolgung geflohen sind, weniger Hilfe als andere Minderjährige brauchen, ist genauso falsch wie fatal für gelingende Teilhabe, ein selbstbestimmtes Leben sowie erfolgreiche Bildungsverläufe."

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