Landesregierung will Geisterfahrer mit Warnschildern stoppen

Landesregierung will Geisterfahrer mit Warnschildern stoppen

Geisterfahrer - ein Horror für jeden Autofahrer. In jüngster Zeit häufen sich durch Falschfahrer verursachte Unfälle. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz fordert nun Warnschilder an den Autobahnen.

19 Tote durch Geisterfahrer - innerhalb von sechs Wochen. Allein am Sonntag starben sechs Menschen auf der A 5 bei Offenburg, als ein 20-jähriger Falschfahrer in ein Auto mit fünf Menschen darin raste. Mitte Oktober wurden auf der A 1 bei Rivenich (Bernkastel-Wittlich) ein Vater und zwei seiner Kinder getötet, als eine 60-jährige Frau aus dem Vulkaneifelkreis als Geisterfahrerin in sein Auto fuhr. Warum die Frau von einem Parkplatz falsch auf die Autobahn fuhr, ist noch immer ungeklärt. 25 Falschfahrten ohne Unfall wurden in diesem Jahr bereits in der Region gemeldet, 2011 waren es insgesamt 36. Die Polizei geht davon aus, dass die Zahl noch weitaus höher liegt. Laut ADAC werden pro Jahr bis zu 2800 Geisterfahrer im Verkehrsfunk der Radiostationen gemeldet.

Ursache für die meisten Geisterfahrerunfälle seien abgelenkte und gestresste Autofahrer, die dadurch die Orientierung verlieren, sagt Andreas Peters, Unfallsachverständiger aus Trier. Auch Alkohol, Drogen und Medikamente spielten häufig eine Rolle.
Peters schließt auch nicht aus, dass einige Autofahrer bewusst falsch fahren, um sich selbst zu töten. Der Trierer Verkehrspsychologe Richard Tank geht aber davon aus, dass die wenigsten Geisterfahrer absichtlich, etwa aus Selbstmordabsicht oder als Mutprobe, falsch auf Autobahnen auffahren. Am Mittwoch hat eine offenbar lebensmüde 45-jährige Geisterfahrerin einen Unfall auf einer bayerischen Autobahn verursacht, sie wurde laut Polizei leicht verletzt.

Ursache für Falschfahrten könne auch eine irritierende Verkehrsführung oder Beschilderung sein, die manche Autofahrer überfordere, sagt Tank. Derzeit mehren sich die Stimmen, die eine auffällige Beschilderung - eine schwarze Hand mit den Hinweisen "Stopp" und "falsch" - an Autobahnausfahrten in verkehrter Richtung fordern, um mögliche Falschfahrer zu warnen. Ein Pilotprojekt läuft derzeit in Bayern. In Österreich gibt es die Schilder seit längerem, die Zahl der Geisterfahrer ist dort zurückgegangen. Auch der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) ist dafür: "Wir müssen Wege finden, das Risiko von Geisterfahrten zügig zu minimieren. Das Pilotprojekt in Bayern mit der farblich markanten neongelben Warntafel scheint ein sinnvoller Ansatz zu sein", sagte Lewentz unserer Zeitung. Trotz allem bleibt die Erkenntnis: "Ganz verhindern kann man solche Unfälle sicherlich nicht", sagt Unfallgutachter Peters.

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