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Landwirtschaftskammer kritisiert Nitrat-Messstellen. Umweltministerium sieht Bauern in der Verantwortung.

Landwirtschaft : Vor dem Agrargipfel hagelt es Kritik am Nitrat-Messstellennetz

„Das ist ein Ablenkungsmanöver“, entgegnet das Umweltministerium. Das Trinkwasser müsse geschützt werden. Sonst könne es für alle deutlich teurer werden.

Ein Thema, das Bauern seit Monaten so wütend macht wie kein anderes, steht im Zentrum des Agrargipfels, zu dem Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) für den 3. Februar nach Bad Kreuznach einlädt: die Düngeverordnung, die im April in Kraft treten soll. Viele Landwirte fürchten um ihre Existenz, wenn sie in „roten Gebieten“, die eine zu hohe Nitratkonzentration des Grundwassers aufweisen, künftig 20 Prozent weniger düngen sollen. Um das Trinkwasser zu schützen, könnte es im Herbst zudem zu totalen Düngeverboten kommen. „Ein Gülletank kostet 130 000 bis 150 000 Euro“, sagt Bauernpräsident Michael Horper. Wer könne sich das leisten?

Auch das umstrittene Nitrat-Messstellennetz wird Thema des Gipfels, in dessen Vorfeld sich nun auch der Präsident der Landwirtschaftskammer zu Wort meldet. Genau wie Horper fordert Norbert Schindler eine Überprüfung des rheinland-pfälzischen Netzes. Die Messstellen seien nicht sinnvoll verteilt, die Werte kaum zu durchschauen und das Ganze europaweit nicht vergleichbar – nicht gerecht. Zudem sei die Landwirtschaft nicht alleine verantwortlich. Auch Kläranlagen, undichte Kanäle oder Siedlungen seien Ursache der Nitratbelastung. „Wir fordern das Umweltministerium auf, die anderen Verursacher von Nitrat im Grundwasser deutlich zu benennen“, sagt Schindler. In Lobby-Videos, die aktuell tausendfach geklickt werden, werden neben Altdeponien und Reitställen gar Gesteine als Schuldige ins Spiel gebracht.

„Das ist ein Ablenkungsmanöver“, entgegnet Umweltstaatssekretär Thomas Griese. In der Landwirtschaft gebe es eindeutig ein Überdüngungsproblem. Die gemessenen Nitratwerte hätten nichts mit Gesteinen zu tun, auch nicht mit Deponien oder Kanälen. „Die Messstellen werden zu Schuldigen erklärt. Das ist eine Stellvertreterdiskussion“, sagt auch Umweltministerin Ulrike Höfken. „Wir müssen unser Trinkwasser schützen und Verunreinigungen bekämpfen.“ Durch den Klimawandel gehe die Grundwasserneubildung im landesweiten Schnitt um 20 Prozent zurück, während die Schadstoffkonzentrationen steigen. „Unsere Gebührenzahler haben ein hohes Interesse an sauberem Grundwasser, denn die technischen Verfahren, um Nitrat zu entfernen, sind sehr teuer“, betont Höfken: Um einen Euro pro Kubikmeter könne das Wasser  teurer werden. „Das wollen wir alle nicht“, sagt Höfken, die kritisiert, dass Deutschland das Problem viel zu spät angegangen sei.

Bis die neuen Regeln  greifen, will das Ministerium die „roten Gebiete“ genauer unterteilen. Man sei guter Dinge, dass das pünktlich klappt. Die EU-Kommission droht mit täglichen Strafzahlungen von 857 000 Euro, wenn Deutschland die Düngeregeln nicht schnell verschärft.