Lastwagen können in Rheinland-Pfalz Flüssigerdgas tanken

Lastwagen können in Rheinland-Pfalz Flüssigerdgas tanken

Vor allem Pakete werden von Neuwied aus künftig weniger umweltschädlich von einer deutschen Stadt in die andere gefahren. Das Familienunternehmen Rheintal-Transporte will bis Jahresende 30 seiner 50 Lastwagen von Diesel auf Flüssigerdgas umrüsten und hat dafür in die erste Tankstelle für den alternativen Kraftstoff in Rheinland-Pfalz investiert.

Von Oktober an könnten aber auch andere Lastwagen die von Gascom aus Troisdorf in Nordrhein-Westfalen belieferte neue Tankstelle nutzen, sagte der Gesellschafter des Unternehmens, Wolfgang Normann, der Deutschen Presse-Agentur. „Alle Speditionen und Fabrikate.“

Die zentrale Lage der Tankstelle am Knotenpunkt der Autobahnen A 48 (Trier-Dernbacher Dreieck), A 3 (Köln-Passau) und A 61 (Venlo/Niederlande-Hockenheim) ist für Speditionen günstig. Denn das Tankstellennetz für Flüssigerdgas in Deutschland ist noch löchrig.

Nach Einschätzung der Deutschen Energie-Agentur (dena) gibt es derzeit sieben Flüssigerdgas-Tankstellen in Deutschland. „Bis Ende 2020 könnten es 40 bis 50 sein. Einige sind mobil, der Trend geht aber zur stationären Tankstelle“, sagte Stefan Siegemund, Leiter des Bereichs Erneuerbarerer Energien und Mobilität bei dem bundeseigenen Unternehmen. Es setzt laut Gesellschaftsvertrag Dienstleistungen für die Energiewende um.

„Alle 800, 900 Kilometer müssen wir tanken, sonst bleibt der Lkw stehen“, berichtete Normann. Daher rüste sein Unternehmen zunächst nur die Fahrzeuge um, die morgens losfahren und abends zurückkommen. Die transportieren vor allem Pakete von DHL und anderen Logistikern. „Für die 20, die quer durch Deutschland fahren, geht das nicht.“

Flüssigerdgas ist nach Einschätzung der dena attraktiv für Sattelzugmaschinen im Schwerlastverkehr mit 30, 40 Tonnen auf langen Strecken. „Die Reichweite ist mit der eines Diesel-Lkw vergleichbar und liegt maximal bei 1100/1200 Kilometern“, sagte Siegemund. Die Lastwagen könnten auch leiser sein als Diesel und seien daher für den nächtlichen Lieferverkehr besonders interessant.

Wie umweltfreundlich ist der alternative Kraftstoff, der auch LNG genannt wird - die Abkürzung für den englischen Begriff Liquified Natural Gas (verflüssigtes Erdgas)? „LNG ist derzeit die einzige verfügbare Alternative zum Diesel, die marktreif und wettbewerbsfähig ist, insbesondere im Fernverkehr“, sagte Siegemund. Der Ausstoß von Stickoxiden und Feinstaub sei besser als bei Diesel mit der Euro-Norm 6. Die Schwefeloxid- und Feinstaub-Emissionen sind dem Verkehrsministerium in Mainz zufolge fast 100 Prozent geringer. Die Stickoxid-Emissionen würden im Vergleich zum Diesel um 80 bis 90 Prozent reduziert.

„Die CO2-Einsparung kann je nach Fahrzeug, Einsatzprofil und Gasherkunft maximal 22 Prozent betragen, ist aber im Durchschnitt geringer“, sagte Siegemund. „Aktuelle Testversuche liegen bei rund 13 Prozent.“ LNG müsse daher künftig vorwiegend aus erneuerbaren Energien kommen, im ersten Schnitt als verflüssigtes Biomethan.

Der Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Dirk Engelhardt, sieht flüssiges Erdgas als eine von mehreren Übergangstechnologien zwischen dem Dieselantrieb und dem Elektroantrieb der Zukunft. Wichtig sei, dass das LNG „sauber sei“, also etwa nicht aus Fracking stamme. „Bei ganzheitlicher Betrachtung kann die Klimabilanz des Fracking-LNG deutlich negativ sein - sogar im Vergleich zum herkömmlichen Dieselantrieb“, mahnte Engelhardt.

„LNG ist auch günstiger als Diesel und die Fahrzeuge verbrauchen weniger“, schilderte Normann seine Erfahrungen. Dafür seien aber die Haltungs- und Anschaffungskosten deutlich höher. Denn die Werkstätten müssten für Wartung und Reparatur umgerüstet werden. Ein LNG-Lkw kostet Siegemund zufolge etwa 30 000 bis 40 000 Euro mehr als ein Diesel-Lastwagen, dessen Kosten beliefen sich ungefähr auf 100 000 bis 120 000 Euro.

Noch lohne sich die Anschaffung und Umrüstung ganz besonders, warb Normann. „Bis Ende 2020 wird die Anschaffung von LNG-Lkw mit bis zu 12 000 Euro gefördert“, erläuterte Siegemund. Und sie seien bis Ende 2020 auch von der Maut befreit. Derzeit werde diskutiert, die Zuschüsse und die Mautbefreiung zu verlängern. „In der europäischen Diskussion geht es um eine differenzierte nach CO2-Ausstoß gestaffelte Lkw-Maut.“

Rheintal-Transporte will sich jedenfalls bis 2024 von den Diesel-Fahrzeugen verabschieden. Dazu wolle das Unternehmen die aktuellen technischen Entwicklungen in dem Bereich weiter beobachten. „Die ersten Wasserstoff-Lkw haben wir bereits reserviert.“

DHL würdigte das Engagement des Transportdienstleisters für Umwelt und Klima. In einer Mitteilung heißt es: „Die DHL Freight verfolgt das Ziel, bis 2050 alle logistikbezogenen Emissionen auf null zu reduzieren.“

Homepage Rheintal-Transporte

Gascom GmbH

dena

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