Lehrer als Begleiter

Schule von morgen ist ohne eine Analyse der Gegenwart nichtdenkbar. Wichtig für eine Bildungsgewerkschaft ist außerdem, dassVisionen zwar notwendig sind, sie müssen aber umsetzbar sein undeine konkrete Perspektive bieten. Die gegenwärtige Situation ist gekennzeichnet durch gravierende gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Umbrüche. Daraus ergibt sich ein neues vielschichtiges und anspruchsvolles Aufgaben- und Tätigkeitsfeld in Bildung und Erziehung. Qualität ist in einem bisher nicht gekannten Ausmaß eine Herausforderung an moderne Schulen. Sicherlich ist Wissen ein zentraler Begriff, aber der Umgang mit und das Umsetzen von Wissen sind gefragter denn je. Das erfordert einen tiefgreifenden Wandel der Lehr- und Lernkultur und damit wachsende Anforderungen und Erwartungen an Schülerinnen und Schüler, aber auch an Lehrerinnen und Lehrer.

Die Gewerkschaft GEW bejaht die Individualität des Menschen mit seinen Anlagen und Potenzialen. Aufgabe von Erziehung und Bildung ist die Entfaltung dieser Potenziale. In der Schule von morgen kommt es noch mehr als heute auf die Lernenden selbst an. Deren Blickwinkel und Eigenverantwortung müssen konsequent gestärkt werden, damit sie ihre Chancen in Gesellschaft und Beruf mitgestalten können. Die Lehrenden werden mehr zu professionellen Lernbegleiterinnen und -begleitern, deren Aufgabe es ist, greifbare und motivierende Lernlandschaften zu modellieren.

Auch die Schule selbst muss sich verändern, ein eigenes Profil entwickeln und Neuerungen als Chance zur Zukunftsbewältigung begreifen. Die Lösung von einheitlichen und starren Vorgaben ermöglicht schnellere und individuellere Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen, erfordert andererseits aber auch größere Verantwortung.

Eine Schule von morgen darf sich nicht als isoliertes System sehen. Sie kooperiert mit allen Bildungspartnern wie Eltern, gesellschaftlichen Institutionen und Betrieben. Diese müssen sich ihrer Verantwortung aktiv stellen. Auch auf die Politik kommt es an. Schulen der Zukunft benötigen Verbindlichkeit, Konsequenz und vor allem Nachhaltigkeit. Die Rahmenbedingungen müssen den Wandel der Lernkultur fördern. Die Aufgaben sind nicht aufzuschieben. Je früher wir beginnen, desto eher haben wir wieder Erfolg.

Peter Heisig ist Lehrer am Balthasar-Neumann-Technikum Trier und vertritt die Gewerkschaft GEW.

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