Leihen kann sich lohnen

Mit einer Schulbuch-Entleihe gegen Gebühr machen andere Bundesländer bereits gute Erfahrungen. Elternvertreter und Gewerkschaft GEW bleiben hierzulande aber skeptisch. Und die Gemeinden fürchten den Verwaltungsaufwand.

Mainz. In Niedersachsen und im Saarland nehmen rund 80 Prozent der Eltern am freiwilligen Schulbuch-Leihsystem teil. Sie zahlen rund ein Drittel des Kaufpreises und sparen im Schnitt 80 Euro pro Kind und Jahr. Das erfuhr der Bildungsausschuss des Landtags in einer Anhörung zu entsprechenden Gesetzesvorschlägen der CDU für Rheinland-Pfalz.

Die Bücher werden dreimal verliehen. Dann ist der Kaufpreis eingespielt, und der Bestand wird aktualisiert.

Das Saarland hat die Ausleihe gerade zum Schuljahr 2009/2010 eingeführt und für zwölf Millionen Euro Bücher gekauft. Wie in Rheinland-Pfalz erhielten dort bisher Geringverdiener einen Zuschuss - 20 bis 25 Prozent der Eltern. Mit dem Entleihsystem aber "wollen wir möglichst alle entlasten und möglichst alle mit aktuellen Büchern versorgen", begründete Eva Backes-Müller vom Saarbrücker Kultusministerium die Umstellung.

Die Organisation funktioniere nahezu problemlos. "Eine zusätzliche Belastung der Lehrer bei der Einführung lässt sich nicht gänzlich vermeiden, aber auf das Notwendigste begrenzen."

Die Bildungsgewerkschaft GEW hört das gar nicht gerne. Landeschef Klaus-Dieter Hammer erinnerte sich an die kurze Zeit, als Rheinland-Pfalz schon einmal eine Entleihe hatte: "Das Einsammeln der Bücher war eine Katastrophe." Die GEW ist für völlige Lernmittelfreiheit. Hammer schlägt aber aus Finanzgründen vor, zunächst den Kreis der Zuschussberechtigten zu erweitern. Bisher erhalten Eltern Büchergutscheine, wenn sie maximal 36 000 Euro im Jahr verdienen. Niedersachsen hat das Entleihsystem seit 2004 und schafft es sogar, mit den Leihgebühren und Mengenrabatten beim Schulbuchkauf die Verwaltungskosten zu decken, berichtete Peter Bräth vom Kultusministerium in Hannover. "Wir können Eltern helfen und brauchen den Landeshaushalt nicht übermäßig zu belasten." In Niedersachsen sind allerdings nur die Empfänger von Hartz IV und anderen Sozialleistungen von Kosten befreit - derzeit 13,3 Prozent der Eltern. "Kostenlose Lernmittel für alle", forderte erneut der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Michael Esser. Deutschland sei weltweit "ein Unikum mit seinen privat zu tragenden Schulbuchkosten".

Vor steigendem Verwaltungsaufwand für die Kommunen als Schulträger warnte Gerd Thielmann vom Gemeinde- und Städtebund. Schon beim heutigen Zuschuss-System sei "der Prüf-Aufwand in Einzelfällen höher als der Gutscheinwert", sagte Thielmann. Bei einem Entleihsystem müssten die Kommunen aber Hunderttausende von Schülern und Millionen Bücher erfassen. "Dann muss man über einen Ausgleich reden, ohne dass kommunale Gelder an anderer Stelle fehlen", so Thielemann. Es gelte das Konnexitätsprinzip des "Wer bestellt, bezahlt".